Mittwoch, 15.01.2003

Talzy – Alt-Sibirien auf einen Blick

Freilichtmuseum Talzy. (Foto: Packeiser/.rufo)
Auf halber Strecke zwischen Irkutsk und Listwjanka liegt das Freilichtmuseum Talzy. Der Abstecher von der Straße lohnt sich, denn hier wurden 36 alte Holzbauten aus Dörfern des Gebiets Irkutsk wieder aufgebaut: Kirchen, Bauernhäuser, sogar eine halbe Festung. Auch burjatische Jurten und – etwas versteckt im Wald – ein Ewenken-Lager können besichtigt werden.
Die Koordinaten
Das Freilichtmuseum Talzy liegt an Kilometer 47 der Straße Irkutsk-Listwjanka. Das Museum ist täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr, im Winter bis 16 Uhr. Im Frühjahr wird hier groß die Maslenniza (Butterwoche) gefeiert.
„Ostrog“ nannten die russischen Sibirien-Eroberer ihre Holzfestungen. Ein solcher Ostrog stand ab 1630 in Ilimsk, etwa 500 Kilometer nördlich von Irkutsk – das es damals noch gar nicht gab. Mit der Zeit wurde diese Festung mit ihren acht Türmen zum regionalen Zentrum.

Bis in die heutige Zeit überlebt haben drei Türme. Doch sie stehen verteilt über Russland in verschiedenen Museen, einer davon in Talzy. Denn Ilimsk wurde beim Bau des Angara-Staudammes von Ust-Ilimsk überflutet.
Spasski-Torturm des Ostrogs Ilimsk (foto: ld/.rufo)
1966 wurde auf einem Hügel über dem Irkutsker Angara-Stausee das Museum gegründet, um hier die bedrohten historischen Baudenkmäler zusammenzutragen. Neben dem Festungsfragment steht eine noch aus dem 17. Jahrhundert stammende Kapelle, ebenfalls aus Ilimsk, sowie eine liebevoll rekonstruierte Kirchenschule aus dem 19. Jahrhundert.

Mit der Zeit entstanden auf dem Museumsgelände faktisch zwei alte sibirische Siedlungen: eine eher städtischen Typs, die andere aus den großzügigen und nicht ärmlich ausgestatteten Gehöften freier sibirischer Bauern.

Viele der Gebäude können von innen besichtigt werden. Kirche, Gasthaus, (Souvenir-)Markt, Wassermühlen und sogar ein echter Friedhof komplettieren das historische Bild.
Auf dem Gottesacker liegen übrigens die einst auf dem Dorffriedhof von Talzy bestatteten Toten. Denn auch dieses Dorf, einst etwas tiefer gelegen, wurde in den 50er Jahren vom Stausee überflutet ...

(ld/.rufo)