Donnerstag, 09.01.2003

Iwanowo – Russlands Manchester und Stadt der Bräute

Das Frauenkloster in Iwanowo ist ein Blickfang (Foto: rus-trip.ru)
Jahrhunderte lang war Iwanowo die Textilhauptstadt Russlands. Obwohl Iwanowo seit langem zum goldenen Ring zählt, war die Industriestadt zu Sowjetzeiten für Ausländer geschlossen. Nun lohnt sich eine Fahrt dorthin wieder.
Das erste Mal wurde Iwanowo 1561 urkundlich erwähnt. In der Stadt siedelten sich vor allem Textilunternehmen an. Baumwollfabriken und Flachsspinnereien dominierten im 19. Jahrhundert die Stadt und bescherten ihr gleich zwei Beinamen: Russlands Manchester und Stadt der Bräute. Denn die Textilindustrie lockte viele junge Arbeiterinnen an. Die Flachsspinnerin ist heute noch im Stadtwappen.

Spät als Stadt anerkannt


Das Stadtrecht bekam Iwanowo erst spät; 1876 nach der Zusammenlegung mit der Industriestadt Wosnessenski Possad. Bis 1932 hieß die Stadt dann auch Iwanowo-Wosnessensk. Zu Sowjetzeiten wurde die als Proletarierhochburg geltende Stadt industriell weiter ausgebaut.

Ausländischen Touristen war der Zugang verwehrt, doch auf der Komintern-Schule in Iwanowo waren einige prominente Ausländer, u.a. Josef Tito und der Sohn von Mao Zedong, Mao Anying.

Spaziergang an Villen und Palästen vorbei


Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion öffnete Iwanowo seine Pforten zaghaft. Dennoch besuchen Iwanowo weit weniger Touristen als die meisten übrigen Station des Goldenen Rings.

Dabei ist ein Spaziergang durch die Innenstadt durchaus empfehlenswert, denn viele alte Villen sind noch aus der Zeit der einst wohlhabenden Stadt übrig geblieben. Dabei gibt es Gebäude aus fast allen Epochen – vom Barock bis hin zum Jugendstil.

Zu einem Besuch laden insbesondere das Baumwollmuseum und das Kunstmuseum. Der auffälligste Sakralbau – das in rotem Backstein errichtete Frauenkloster wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und diente lange als KGB-Archiv. Erst 1991 wurde es wieder an die russisch-orthodoxe Kirche zurückgegeben.