Montag, 06.01.2003

Rostow Weliki – die „große“ Kleinstadt

Rostow Weliki ist eine der ältesten Städte Russlands, der wunderschöne Kreml stammt aber erst aus dem 17. Jahrhundert (Foto: Ballin/.rufo)
Rostow Weliki sollte man nicht mit der Millionenstadt Rostow am Don verwechseln. Der idyllisch am Nerosee gelegene Ort gehört mit Susdal zu den kleinsten Städten des Goldenen Rings. Man will kaum glauben, dass in den teils etwas verfallenen Holzhäuschen, die sich um den Kreml scharen, 35.000 Menschen leben.
Im Inneren der Stadtfestung steht seit dem 17. Jahrhundert der berühmteste Glockenstuhl Russlands. Der französische Komponist Hector Berlioz reiste extra nach Rostow Weliki, um die Klänge der 15 Glocken zu hören. Ansonsten verirren sich weniger Touristen hierhin, als in andere Städte des Goldenen Rings.

Rostow Weliki gehört es zu den ältesten Städten Russlands. Wie Archäologen nachweisen konnten, siedelten hier schon im 8. Jahrhundert finno-ugrische Merjanen. Erstmals erwähnt wurde die Stadt im Jahr 862.

Obwohl Rostow seit dem 11. Jahrhundert zum Fürstentum Wladimir-Susdal gehörte, bestimmte hier hauptsächlich die ansässige Bojarenschaft. Ihnen gelang es, den Einflussbereich der Stadt zu vergrößern, so dass Rostow im 12. Jahrhundert den Beinahmen „Weliki“ – die Große - erhielt. Diesen Titel trug sonst nur noch Nowgorod.


Die Stadt erlebte ihre Blütezeit bis Fürst Iwan der Lange Ende des 15. Jahrhunderts seine Ländereien an den Moskauer Großürsten verkaufte.

Erst 100 Jahre später erstarkte Rostow erneut, nachdem der Rostower Erzbischof in den Rang eines Metropoliten erhoben wurde. Der Metropolitenresidenz im Kreml und die meisten Kirchen stammen aus dem 17. Jahrhundert.
Dass der Kreml heute noch steht, ist Glück, da die Stadtverwaltung die verfallenen Gebäude Anfang des 19. Jahr- hunderts abreißen wollte.

(rUFO/sp)