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Abchasien ganz friedlich: Ein Tourist genießt den Ausblick aufs Schwarze Meer. (Foto: Heyden)
Abchasien ganz friedlich: Ein Tourist genießt den Ausblick aufs Schwarze Meer. (Foto: Heyden)
Mittwoch, 04.06.2008

Abchasien: Drohnen und Drohungen über Badestränden

Suchumi. Das einstige Urlaubsparadies Abchasien will von Georgien unabhängig sein. Russland assistiert mit Truppen am Boden, Georgien lässt Aufklärer kreisen und die Abchasen zeigen sich – trotz Armut – stur.

Bei Russland-Aktuell
• Abchasien: „Kein Zusammenleben mit den Georgiern“ (04.06.2008)
• Abchasien: Medwedew und Saakaschwili verhandeln (04.06.2008)
Einst war Abchasien ein sowjetisches Urlaubsparadies am Schwarzen Meer – und verwöhnte seine Gäste mit Südfrüchten und mildem subtropischem Klima. Dann kam es Anfang der 1990er Jahre zu einem blutigen Bürgerkrieg: Georgische Truppen marschierten zunächst in der Hauptstadt Suchumi ein, mussten sich dann aber nach einer militärischen Niederlage ganz aus der Schwarzmeer-Provinz zurückziehen.

Der Landstrich mit ungeklärtem Status und seinen heute etwa 200.000 Einwohnern geriet international ziemlich in Vergessenheit. Das änderte sich, als der Kosovo anerkannt wurde.

Kosovo-Unabhängigkeit lockt und lockert Abchasien


Der Kreml hatte gedroht, nun seinerseits auch Abchasien als Staat anzuerkennen. Die Mehrheit der Bewohner von Abchasien hat bereits einen russischen Pass. Alle Angebote in den georgischen Staatsverband zurückzukehren, schlägt Suchumi in den Wind. Zu frisch sind die Erinnerungen an den Bürgerkrieg und die permanenten Anschlussdrohungen des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, die oft mit militärischen Drohgebärden untermalt wurden.

In diesem Jahr schickte Tiflis dann reihenweise unbemannte Aufklärungsdrohnen, von denen mehrere abgeschossen wurden. Einmal feuerte dabei auch ein russisches Kampfflugzeug, wie die UNO-Mission in Georgien nach einer Untersuchung erklärte. Russland weist diesen Vorwurf jedoch zurück.

Russische Bahntruppen: USA bestürzt, Georgien droht
Sean McCormack, Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, man sei „bestürzt“ über die Verlegung der russischen Bahn-Truppen und stehe im engen Kontakt mit der Regierung von Georgien. Der stellvertretende georgische Außenminister Grigol Waschadse erklärte, dies sei ein „weiterer aggressiver Schritt“ Russlands. Wenn Moskau die Verlegung der Eisenbahntruppen nicht zurück nehme, werde man „hart antworten“, kündigte der georgische Verteidigungsminister Batu Kutelia an.

Moskauer Schritte in Richtung Anerkennung


Wladimir Putin ordnete im April an, die wirtschaftlichen und humanitären Beziehungen zu verstärken. In der letzten Maiwoche schickte Moskau dann 400 unbewaffnete Eisenbahn-Soldaten nach Abchasien, was erneut scharfen Protest in Tiflis aber auch in Washington auslöste. Die Eisenbahn-Soldaten sollen in der Schwarzmeer-Provinz die im Krieg zerstörte Bahn-Infrastruktur reparieren.

Die Arbeiten seien nötig, um den Transport der russischen Friedenstruppe zu gewährleisten, die im Auftrag der GUS seit 1994 in Abchasien stationiert ist, erklärte Sergej Schamba, der Außenminister von Abchasien. Außerdem sei die Wiederherstellung der Eisenbahnstrecke nötig, um Baumaterial für die Winterolympiade 2014 ins nahe russische Sotschi zu schaffen.

Schon die Aufstockung der in Abchasien stationierten russischen Friedenstruppe auf 2.500 Mann Anfang Mai war auf scharfen Protest aus Tiflis gestoßen. Georgien will in die Nato, was Russland seinerseits mit allen Mitteln verhindern will, indem es sich in Abchasien festsetzt. Laut GUS-Vereinbarung über die Friedenstruppen kann Russland in Abchasien jedoch eine Friedenstruppe von bis zu 3.000 Soldaten stationieren.

Könnte die EU Russland als Schutzmacht ablösen?


Georgien möchte seine in den 90er Jahren in Abchasien (und Südossetien) ausgefransten Grenzen wieder selbst kontrollieren. Russland möchte den ebenso schönen wie strategisch günstig gelegenen Landstrich nicht an Georgien und die Nato verlieren. Und die Abchasen träumen von einer Unabhängigkeit mit Russland als Schutzmacht.

Inzwischen gibt es auch verstärkte Kontakte zwischen Abchasien und der EU. In den russischen Medien tauchten sogar schon Spekulationen auf, die EU könnte Russland als Schutzmacht für Abchasien ablösen. Doch bisher misstraut Suchumi den Europäern. Brüssel und Washington hätten bisher immer nur Tiflis unterstützt, hört man auf den Straßen von Suchumi.

Die Spuren des Krieges - noch immer offensichtlich


Die Erinnerungen an den Bürgerkrieg vor 15 Jahren sind dort immer noch allgegenwärtig. An den Fassaden vieler Häuser in Suchumi sind Einschusslöcher zu sehen.

Hotel-Ruinen und -Neubauten in Suchumi. (Foto: Heyden)
Hotel-Ruinen und -Neubauten in Suchumi. (Foto: Heyden)
Die zahlreichen Pensionate und Sanatorien sind stumme Zeugen einer Zeit, als in Abchasien noch hunderttausende Touristen aus dem gesamten Ostblock Urlaub machten. Heute herrscht in der Provinz Armut. Wären nicht die russischen Touristen, die jeden Sommer ungeachtet der Spannungen mit Tiflis an den herrlichen Schwarzmeer-Stränden Urlaub machen - in Abchasien würde überhaupt nichts mehr funktionieren.

Aus Russland kommen Renten und Touristen


Die Rentner bekommen von der abchasischen Verwaltung eine Rente von drei Euro. Doch Russland hilft: Moskau zahlt den abchasischen Rentnern zusätzlich eine Pension von 80 Euro. Zu den Bewohnern Abchasiens gehören heute nicht nur Abchasen, Armenier, Russen und Griechen, sondern auch 50.000 Georgier, die in ihre alten Häuser im südöstlichen Gali-Bezirk zurückgekehrt sind.

Dank der russischen Touristen und wagemutigen abchasischen und russischen Geschäftsleuten wird in Abchasien jetzt auch wieder verstärkt gebaut. In Suchumi strahlt das Rizz-Hotel mit einer neuer weißen Fassade. Doch am Stadtrand sieht man noch die Ruinen des Krieges und die ausgebrannten Häuser der Georgier, die geflüchtet sind.

Abchasischer Wein ist seit kurzem wieder in Russland erhältlich. (Foto: Heyden)
Abchasischer Wein ist seit kurzem wieder in Russland erhältlich. (Foto: Heyden)

„Nicht alle Flüchtlinge sollen zurückkehren“


Wenn man die Bewohner Abchasiens auf der Straße fragt, wie lange sie sich noch der Wiedereingliederung in den georgischen Staat widersetzen wollen, reagieren die Befragten erstaunt. „Wir werden uns nie mit Georgien vereinigen“, meint Tingis, ein Tierarzt, der selbst im Bürgerkrieg gekämpft hat und heute Zimmer an russische Touristen vermietet. Der Bürgerkrieg habe zu viele Opfer gekostet.

Außerdem seien die Georgier in Abchasien zwangsweise von Stalin angesiedelt worden. Von den 200.000 georgischen Flüchtlingen dürften nur die zurückkommen, „die nicht gekämpft haben“, meint Tingis. Das heißt faktisch, die Rückkehr der Georgier ist unerwünscht, denn gekämpft haben in dem blutigen Bürgerkrieg praktisch alle Männer, auf beiden Seiten.

Bei Russland-Aktuell
• Abchasien: Medwedew und Saakaschwili verhandeln (04.06.2008)
• EU-Botschafter: Abchasien soll mit Georgien verhandeln (29.05.2008)
• Drohnenabschuss: Tiflis fordert Russlands Truppenabzug (27.05.2008)
• Lawrow: Russland hebt Sanktionen gegen Abchasien auf (20.05.2008)
• Russland droht: Bald noch mehr Soldaten vor Abchasien? (08.05.2008)

Abchasiens Armee demonstriert Stärke


Die Abchasen geben sich äußerst selbstbewusst. Der Staatshaushalt hat zwar nur einen Umfang von 1,3 Milliarden Euro, doch man leistet sich eine eigene Armee. Bei Manövern, zu der auch Beobachter der UNO-Mission in Georgien eingeladen werden, knattern alte T-55-Panzer durchs Gebüsch, Flak-Geschütze schießen scharf. An Munition besteht angeblich kein Mangel.

Man habe noch „Millionen von Patronen“ aus alten Sowjet-Beständen, erklärt der stellvertretende Verteidigungsminister, Garri Kupalba. Auf die abchasische Luftwaffe, die angeblich schon sieben unbemannte georgische Aufklärer abgeschossen hat, ist Kupalba besonders stolz. Zur „Luftwaffe“ gehören ein paar tschechische L-39-Trainingsflugzeuge und russische Hubschrauber.

Der Präsident Abchasiens, Sergej Bagapsch, steht seinem Gegenspieler Michail Saakaschwili in Kriegs-Rhetorik in Nichts nach. „Wir werden alle georgischen Flugzeuge über unserem Territorium abschießen, ob bemannt oder unbenannt“, erklärt er in einem Interview in seiner Residenz in Sotschi.

(Ulrich Heyden/.rufo/Suchumi-Sotschi)


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