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Vor dem Untertauchen noch einmal schnell bekreuzigen, dann kann es lsogehen (Foto: TV)
Vor dem Untertauchen noch einmal schnell bekreuzigen, dann kann es lsogehen (Foto: TV)
Mittwoch, 19.01.2011

Heil'ges Wasser gib mir Kraft! – Russen baden im Eis

Moskau. Patriarch Kyrill hat den Gläubigen bei einer Messe in der Christ-Erlöser-Kathedrale zum Epiphanias-Fest (russ. Kreschtschenie) gratuliert. Derweil sind Millionen Russen nachts ins Eis getaucht, um sich rein zu waschen.

Mit einem großen goldenen Kreuz fährt Erzpriester Sergij Nikitin durch das kalte Wasser in einem drei mal zwei Meter großen Eisloch im Chimki-Stausee vor den Toren Moskaus. Geduldig haben die Gläubigen im Frost auf diese Wasserweihe gewartet, denn nun können sie ins Eisloch steigen.

Selbstüberwindung vor dem Gang ins Wasser


Ein tiefes Durchpusten, dann geht es hinab ins eiskalte Wasser. Dreimal müssen sie vollständig untertauchen. Vor jedem Eintauchen des Kopfes bekreuzigen sie sich. Die Prozedur, die schon beim Zuschauen eine Gänsehaut verursacht, soll die Gläubigen von Sünden reinigen und ihnen neue Kraft verleihen.

„Wenn wir heute untertauchen, dann heilen wir sowohl unseren Geist, als auch unseren Körper“, gratuliert Erzpriester Nikitin den Anwesenden zu der bestandenen Mutprobe. Die meisten Anwesenden hören diesen Glückwunsch noch in Unterhosen. Der Andrang vor dem Eisloch ist riesig, so dass die Menschen Schlange stehen, bevor sie in die kalten Fluten eintauchen können. Rettungshelfer vom Katastrophenschutz passen auf, dass es nicht zu einem Unfall kommt.

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• Moskaus Administration verspricht Komfort beim Eisbad (17.01.2011)
• Weihwasservergiftung: Heiliges Wasser richtet Unheil an (25.01.2010)
• Ab ins Eisloch – Russische Tipps gegen Neujahrskater (29.12.2006)

Eisiges Wasser befreit von Sünden, heißer Tee vom Schnupfen


„Ich bin gekommen, um meine Sünden abzuwaschen“, erzählt einer der Eisbader. Es sei geglückt, freut er sich anschließend. Er fühle sich wie neugeboren. Damit sich die Gläubigen bei der Prozedur nicht verkühlen, stellen die Behörden in Moskau an fast allen Badestellen – in diesem Jahr sind 70 Eislöcher öffentlich freigegeben – heißen Tee oder Kaffee zum Aufwärmen zur Verfügung.

Jedes Jahr am 19. Januar begeht die russisch-orthodoxe Kirche das Epiphanias-Fest. Es ist einer der ältesten orthodoxen Feiertage mit einem festen Termin und geht zurück auf die Taufe Jesu, der als schon 30jähriger Mann von Johannes dem Täufer im Jordan-Fluss getauft wurde. Als Christus aus dem Wasser stieg, soll er den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube erblickt haben.

Wasser hat Heilkräfte


Doch während das Klima am Jordan auch im Januar verhältnismäßig warm ist, herrscht in Russland um die Zeit in der Regel scharfer Frost, den die Russen in Anspielung auf den Feiertag Täuferfrost bezeichnen. Dennoch zieht es Jahr für Jahr Millionen Russen in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar ans Eisloch.

An diesem einen Tag im Jahr ist das Wasser aller Flüsse und Seen Russlands heilig, besonders wenn es zuvor von einem orthodoxen Priester gesegnet wurden. „Wir Russen glauben, dass das Wasser an diesem Tag eine besondere Heilkraft hat“, erzählt Ljudmila Selenowa, eine Moskauer Rentnerin.

Wasser zur Kreschtschenie bleibt frisch


Für das Eisbad fühlt sich Selenowa zu alt. Dafür müsse man schon abgehärtet sein, meint sie. Doch sie lässt es sich nicht nehmen, zumindest das beim Gottesdienst von einem Priester zu Epiphanias gesegnete Wasser zu kosten und eine Flasche davon nach Haus zu tragen.

Dieser Brauch ist weit verbreitet in Russland. Viele Familien bewahren das Wasser das ganze Jahr über auf, da es als rein und unbegrenzt haltbar gilt. „Ich habe das Wasser einmal drei Jahre lang aufbewahrt und es war immer noch frisch“, bestätigt Selenowa diesen Glauben.

Durchfall zur inneren Reinigung?


Die Heilkraft des Wassers ist allerdings umstritten. Im vergangenen Jahr haben sich im sibirischen Gebiet Irkutsk etwa 100 Gläubige mit Weihwasser vergiftet. Sie mussten mit Durchfall, Erbrechen und Kopfschmerzen, typische Anzeichen einer Darminfektion, ins Krankenhaus.

Später wurden im Wasser Stäbchenbakterien gefunden. Ein Priester kommentierte den Vorfall lakonisch: „Das Wasser soll zur Reinigung des Menschen beitragen; auf welche Weise sich die Reinigung vollzieht, wird dabei nicht gesagt.“



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