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Neue Kinder braucht das Land. Das Mutterkapital soll die Geburtenrate steigern (Foto: Gripas/.rufo)
Neue Kinder braucht das Land. Das Mutterkapital soll die Geburtenrate steigern (Foto: Gripas/.rufo)
Donnerstag, 08.02.2007

Muttergeld soll Russlands Demographieproblem lösen

André Ballin, Moskau. Russlands rasant schrumpfende Bevölkerungszahl hat die Politik auf den Plan gerufen. Seit diesem Jahr können Mütter, die ihr zweites Kind geboren haben, Anspruch auf ein Mutterkapital anmelden.

„Das Land braucht Eure Rekorde. Jede Minute werden in Russland drei Kinder geboren“, steht auf einem übergroßen Plakat in der Moskauer Metro. Eine junge Mutter mit ihren drei Kindern schaut über die Menge auf einer spärlich beleuchteten Rolltreppe hinweg einer lichten Zukunft entgegen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Großfamilie ist schon lange die Ausnahme in Russland. Massive soziale Probleme lassen die Bevölkerungszahl rapide sinken. Mit finanziellen Anreizen will der Staat nun junge Frauen dazu bewegen, mehr Kinder zu gebären.

Hohe Sterberate und wenige Geburten sorgen für Bevölkerungsrückgang


Pro Jahr verliert der Staat etwa 700.000 Menschen. Selbst die hohen Zuwanderungszahlen aus den benachbarten GUS-Republiken können den natürlichen Schwund nicht ausgleichen. Die Sterberate liegt in Russland etwa 1,5mal so hoch wie die Geburtenrate. Darum hat Präsident Putin die Lösung der demographischen Krise zu einer nationalen Aufgabe erklärt.

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Jede Russin, die nach dem 1. Januar 2007 ihr zweites Kind zur Welt bringt, hat Anspruch auf ein so genanntes Mutterkapital in Höhe von 250.000 Rubel (7.300 Euro). „Der Staat muss die Frau nach der Geburt eines zweiten Kindes unterstützen; ihr ein anfängliches Basis-Muttergeld zugestehen, das ihr erlaubt, ihren sozialen Status zu erhöhen", begründete Putin im Mai vergangenen Jahres seine Initiative.

Im Schnellverfahren hatten darauf Unter- und Oberhaus des Parlaments das „Gesetz über das Mütterkapital“ verabschiedet. Die 32-jährige Asja aus dem kleinen Örtchen Leninawan im südrussischen Gebiet Rostow wird eine der Begünstigten sein. Im April erwartet die Mutter einer siebenjährigen Tochter ihr zweites Kind.

Geld für die Bildung des Kindes, Wohnraum oder die Rente der Mutter


„Das ist eine tolle Sache. Ich finde die Initiative sehr gut“, sagt sie über das neue Gesetz. Sie weiß sogar schon, wohin sie die Summe investieren will. „Ich denke, dass ich es in die Ausbildung meines Kindes stecken werde“, verrät Asja. Zwar bekommt die junge Frau kein Bargeld ausgehändigt, aber immerhin drei Jahre nach der Geburt des zweiten Kindes ein Zertifikat, dass ihr Anrecht auf die 250.000 Rubel verbrieft.

Der Gesetzgeber hat den Erhalt des „Mutterkapitals“ nämlich mit strikten Auflagen verknüpft. Die Ausbildung der Kinder ist eines der drei erlaubten Ziele. Zudem dürfen sich die Mütter das Geld als Rentenbeitrag anrechnen lassen oder es in die Anschaffung von Wohnraum investieren.

Mutterkapital reicht nicht aus für Wohnungskauf in Moskau


Nicht alle Russen sind mit dem Gesetz zufrieden. „In Moskau sind 250.000 Rubel für die Anschaffung einer Wohnung sehr wenig“, klagt beispielsweise Olga, eine Leserin der Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda“. Immerhin kostet der Quadratmeter in der russischen Hauptstadt durchschnittlich knapp 4.000 USD (etwa 3.000 Euro). Zudem bemängelt sie, dass das Geld nicht für eine eventuell nötige medizinische Behandlung der Kinder verwendet werden kann.

Auch der russische Politologe Juri Solosobow sieht deutliche Mängel in dem Gesetz. „Das demographische Projekt brachte ungeahnte und unangenehme Folgen. Die Statistiken registrierten einen Anstieg der späten Abtreibungen bei Müttern, die eigentlich bis zum 1. Januar gebären wollten oder ihre Hoffnung auf Muttergeld schwinden sahen“, sagte er und verwies damit auf die Benachteiligung der Mütter, die vor und 2007 ihr zweites Kind zur Welt gebracht haben.

Doch trotz aller Unzulänglichkeiten verbindet ein Großteil der russischen Bevölkerung mit dem Gesetz Hoffnungen auf eine Verbesserung der sozialen Situation junger Mütter. Bei einer Umfrage des Lewada-Instituts schätzten 30 Prozent der Befragten allein die Ankündigung, das Mutterkapital einzuführen, als eines der wichtigsten Ereignisse 2006 ein. Einen höheren Stellenwert bekam kein anderes Ereignis.

(ab/epd/.rufo)


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