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| Mit diesem Bild gewann Swetlana Issambajewa vor zwei Jahren den Schönheitswettbewerb Miss Positiv (Foto: Schagi) | |
Dienstag, 11.09.2007
Mutterglück mit HIV: Kampf gegen soziale Ausgrenzung
André Ballin, Moskau. Swetlana ist glücklich. Vor fünf Monaten hat sie ihre Tochter Eva-Maria geboren. Das Mutterglück ist nicht selbstverständlich für Swetlana, die vor zwei Jahren eine außergewöhnliche Miss-Wahl gewann.
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Sie wurde damals zur „Miss Positiv“ gekürt, zur schönsten Russin, die mit dem Aids-Virus HIV infiziert ist. Trotz der Infektion entschied sie sich für eine Geburt und traf alle Vorsichtsmaßnahmen. Mit Erfolg: „Die Kleine ist gesund und plagt ihre Mutter, wie es sich gehört“, scherzt die junge Frau aus der Wolga-Region Tscheboksary nun.
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Mann der Träume war HIV-infiziert
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Von ihrer Krankheit erfuhr sie vor vier Jahren. „Es war ein großer Schock für mich“, sagt die 26-Jährige. Bei einem Badeurlaub im Herbst 2002 hatte sie den Mann ihrer Träume kennengelernt. Der Urlaubsflirt erwies sich als heftige, aber kurze Affäre. An Verhütung dachte Swetlana damals nicht. „Ich habe ihm vertraut“, meint sie rückblickend. Ein Fehler, wie sich herausstellte.
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Als sie ein halbes Jahr später Blut abgibt, stellen die Ärzte die HIV-Infektion fest. Danach bricht eine Welt für Swetlana zusammen. Mit Baldriantropfen versucht sie sich ruhig zu stellen, sie wagt den Menschen nicht mehr in die Augen zu schauen, will sterben, „damit Angst, Schmerzen und Scham aufhören“.
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Vorurteile gegen AIDS weit verbreitet
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Denn HIV und Aids sind in Russland immer noch mit Ausgrenzung und Stigmatisierung der Betroffenen verbunden. Aids gilt als Krankheit der Homosexuellen und Drogenjunkies. Schon die Sowjetpropaganda geißelte die Krankheit als Merkmal für den moralischen „Zerfall des Westens“, wurden doch bis in die späten 80er Jahre in der UdSSR keine Ansteckungsfälle registriert.
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Diese Zeiten sind längst vorbei. Inzwischen hat die Epidemie nicht nur Moskau, sondern auch die russische Provinz erreicht. Offiziell gibt es etwa 350.000 HIV-Infizierte im Land. Schätzungen gehen sogar von über einer Million Menschen aus.
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Hohe Ansteckungsrate bei jungen Menschen
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Vor allem junge Leute stecken sich an. Etwa 80 Prozent der Neu-Infizierten sind im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Längst sind nicht mehr nur Homosexuelle und Drogenabhängige betroffen. 40 Prozent der HIV-Infizierten stammen inzwischen aus keiner der beiden Gruppen.
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Und die Geschwindigkeit der Verbreitung nimmt zu: Täglich stecken sich 110 Personen in Russland mit dem HI-Virus an. Angesichts der raschen Ausbreitung des Virus schlägt auch Russlands Oberster Amtsarzt, Gennadi Onischtschenko, Alarm: „Heute bedroht HIV real die Sicherheit unseres Landes.“ Denn die Krankheit trifft den fruchtbarsten Teil der ohnehin schrumpfenden Bevölkerung Russlands.
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Rallye gegen AIDS
Um auf die Gefahr aufmerksam zu machen, startete Anfang des Monats in der russischen Fernostmetropole Wladiwostok eine Autorallye unter der Losung „Stop Aids“. Die Tour führt durch 15 russische Großstädte und soll schließlich in Moskau enden.
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Mit kostenlosen Konzerten und zahlreichen Aufklärungsaktionen wollen die Veranstalter die Bevölkerung für die Themen Aids und HIV-Infektion sensibilisieren und gleichzeitig das Verständnis der Bürger für die Betroffenen erhöhen.
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Engagement für junge Mütter
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| Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land: Miss Positiv, Swetlana Issambajewa, gemeinsam mit Miss Universe, Natalja Glebowa, bei einer Anti-AIDS-Veranstaltung (Foto: Mironow/.rufo) |
Auch Swetlana engagiert sich bei einem Aids-Projekt, das vor allem infizierten jungen Frauen und Müttern und ihren Kindern helfen soll, ein normales Leben zu führen.
Mit dem behördenübergreifenden Gemeinschaftsprojekt von EU und russischem Gesundheitsministerium soll die gesellschaftliche Stigmatisierung von HIV-Infizierten abgebaut werden. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass man auch als infizierte Mutter ein gesundes Baby zur Welt bringen kann, wenn man Medikamente nimmt“, sagt Swetlana.
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„Ich bin schön – trotz meiner Krankheit“
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Swetlana hat lange gebraucht, um ihre Verzweiflung zu überwinden, sich zu ihrer Krankheit zu bekennen und den Kampf dagegen aufzunehmen. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Beim Schönheitswettbewerb „Miss Positiv“ lernte sie ihren heutigen Mann Ilja kennen.
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Auch Ilja ist HIV-positiv. Bei ihm fand sie den Rückhalt, den sie braucht. Zusammen ziehen sie die Tochter groß. Gemeinsam will das Paar eine Frauenbewegung für ein gesundes Leben in der Wolgaregion aufbauen. Swetlana träumt außerdem davon, Moderatorin eines TV-Gesundheitsmagazins zu werden: „Ich will allen zeigen, wie gesund, schön und lebensfroh ich bin - trotz meiner Infektion“, sagt sie.
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(ab/epd/.rufo/Moskau)
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