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Abenteuerliche Reise im Schlafwagen Moskau-Saloniki-Moskau. (Foto: Packeiser/.rufo)
Abenteuerliche Reise im Schlafwagen Moskau-Saloniki-Moskau. (Foto: Packeiser/.rufo)
Mittwoch, 11.11.2009

Skopje-Moskau: Auf den Abstellgleisen des Ostens II

Skopje/Moskau. Einen Tag hat es gedauert, um von Skopje nach Belgrad zu gelangen. Doch das Zug-Abenteuer Richtung Moskau hat gerade erst begonnen. Hier geht es zum zweiten Teil der Reportage von Karsten Packeiser.

Tag 2, 21:00 Uhr, Budapest, Ungarn


Die Sonne geht bereits unter, als der Intercity Belgrad-Budapest, heute außerplanmäßig mit einem russischen Schlafwagen im Schlepptau, endlich die ungarische Hauptstadt erreicht. Eine Stunde verspätet war er in Belgrad abgefahren, dann wurde er wegen Bauarbeiten über eine Nebenstrecke umgeleitet. Für die etwa 200 Kilometer bis zur ungarischen Grenze hatte er gute sieben Stunden benötigt.

Der Nachtzug nach Moskau ist natürlich längst weg, andere Züge Richtung Osten fahren heute vom Budapester Bahnhof Keleti pu. überhaupt nicht mehr ab. Die Passagiere nehmen die neuen Nachrichten mit Fassung. Nur ein Mann aus dem Nachbarabteil regt sich auf. Ein athletischer Typ, schwarze Locken, kantige Gesichtszüge, wie abgemalt von einer antiken griechischen Vase. Er ist auf dem Weg in die Karpaten.

Bei Russland-Aktuell
• Erster Teil der Reisereportage: Skopje-Moskau - Auf den Abstellgleisen des Ostens (10.11.2009)
• Dritter Teil der Reisereportage: Skopje-Moskau - Auf den Abstellgleisen des Ostens (12.11.2009)
„Ich hab da ein teures Sanatorium gebucht, ganz umsonst viel Geld zum Fenster rausgeschmissen“, schimpft er in bestem Russisch. Panaiotis, so heißt der Mann, ist wie die meisten Fahrgäste ein Schwarzmeergrieche. Seine Eltern lebten einst in Sotschi, Stalin ließ sie wie die Wolgadeutschen während des Zweiten Weltkrieges nach Kasachstan deportieren. Wie die Russlanddeutschen nutzten auch die meisten Russlandgriechen die Perestroika, um in die historische Heimat auszuwandern.

Verhandlungen über das Leerpumpen der Toilette


In Budapest muss Gennadi mit dem Bahnhofsvorsteher als erstes darüber verhandeln, wer das Bioklo des Waggons leer pumpt, doch die Ungarn verstehen weder Russisch noch Englisch. Eine Bahnbeamtin spricht gebrochen Deutsch. Ich werde als Dolmetscher gebraucht. Auch Gennadi tut jetzt sein Bestes und kämpft für seine Passagiere: „Könnt ihr uns wenigstens etwas zu essen bringen?“ bettelt er. „Wir haben Kinder an Bord.“

Die Ungarin lächelt uns an: „Wer hat denn Schuld an der Verspätung?“ will sie wissen. „Na ja, zuerst die Griechen, dann die Mazedonier, vor allem die Serben“, sagt der Schaffner, „und ein bischen auch die Ungarn“ fügt er schnell hinzu, weil er wohl ahnt, was jetzt kommt. Aber es klingt nicht überzeugend. Die Bahnfrau lächelt weiter: "Dann verlangen Sie am besten bei den Serben eine Entschädigung."

Kein Essen und kein Platz für den Schlafwagen nach Moskau


Fluchend zieht der Schlafwagenschaffner davon. Früher, im Kommunismus, brummt er, habe es diese ganze Schlamperei so nicht gegeben. Gennadi ist schon seit Jahrzehnten der Bahn. Er war auch oft in Deutschland, früher, als es noch ein Land namens DDR und sogar die Direktverbindung Schwerin – Moskau gab.

Währenddessen wird es dunkel - und der Kurswagen aus Thessaloniki ist längst aus dem Bahnhof weggezogen worden. Wir finden ihn einen halben Kilometer vom Bahnhofsgebäude entfernt nach einem abenteuerlichen Marsch über die Gleise. An Bord haben Panaiotis und seine russische Freundin Galina ihre Ouzu-Vorräte angebrochen. Alle Reisenden teilen ihren Proviant jetzt mit einem Griechen und dessen armenischer Verlobten, die sich ganz ohne Verpflegung auf den langen Weg nach Brjansk gemacht hatten. „In Athen hatten sie uns erzählt, es gebe hier einen Speisewagen“, erzählt die Armenierin, die seit zehn Jahren nicht mehr in ihrer Heimatstadt war.

Die ganze Nacht über haben die ungarischen Eisenbahner nichts anderes zu tun, als den Moskauer Schlafwagen mit seinen dreizehn unglücklichen Passagieren und zwei Schlafwagen-Schaffnern von einem Abstellgleis aufs andere zu schieben. Offenbar steht der Waggon überall im Weg herum.

(kp/.rufo)

Erster Teil der Reisereportage >>>

Dritter Teil der Reisereportage >>>



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