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Ausländer gibt es nach wie vor auf russischen Märkten. Allerdings sollen die Verkäufer nun Russen sein (Foto: Archiv)
Ausländer gibt es nach wie vor auf russischen Märkten. Allerdings sollen die Verkäufer nun Russen sein (Foto: Archiv)
Mittwoch, 23.05.2007

Wie funktionieren Russlands Märkte ohne Ausländer?

André Ballin, Moskau. Konstantine stützt den Kopf in beide Hände und seufzt. „Ich sehe keine Zukunft mehr in Russland und werde das Land wohl bald verlassen“, erklärt der Georgier, der als Blumenhändler in Moskau arbeitet.


Konstantine hat ein eigenes Geschäft am Weißrussischen Bahnhof, doch mit den Kunden, die in seinen Pavillon kommen, darf er allenfalls ein Schwätzchen halten, keineswegs aber ihnen Blumen verkaufen.

Seit dem 1. April dürfen Ausländer in Russland nicht mehr im Einzelhandel tätig sein. Betroffen sind vor allem die offenen Märkte, auf denen die Südlander wie Aserbaidschaner, Moldawier, Usbeken und Georgier traditionell die größte Gruppe der Händler stellten. Sie kamen mit Obst und Gemüse, Blumen und Pelzen, aber auch mit dem eigenen Clan. Kämpfe um Einfluss auf den Märkten und die lukrativsten Standplätze zwischen den ethnischen Gruppen waren keine Seltenheit.

Russen fühlen sich auf Märkten oft von Händlern betrogen



Viele Russen sahen die Ausländer angesichts der mitunter mafiösen Strukturen daher sehr ungern. „Ich bin keine Nationalistin“, erklärt die Moskauer Rentnerin Ludmila Iwanowna, „aber die Händler aus dem Süden sind oft grob und frech zu den Käufern und betrügen.“ In ihrem eigenen Land müsse sie sich solche Unverschämtheiten nicht gefallen lassen, meint die ältere Dame. Mit dieser Meinung ist sie nicht allein.

Bei Russland-Aktuell
• Neues Gesetz: Keine Südländer auf russischen Märkten (02.04.2007)
• Ein Viertel der Märkte könnte ab April schließen (28.03.2007)
Nicht nur die ultrarechte „Bewegung gegen illegale Einwanderung“ machte gegen die überwiegend aus dem Kaukasus stammenden Händler mobil, sondern auch in der Politik regte sich Widerstand gegen deren Übermacht auf den russischen Märkten. Präsident Wladimir Putin forderte schließlich, „die heimische Bevölkerung des Landes zu schützen“ und die Zahl der Ausländer auf den Märkten zu begrenzen. Folge war das Gesetz, das allen Ausländern den Kleinhandel untersagt.

„Neues Gesetz schadet dem russischen Verbraucher“



„Das war ein Fehler von der Regierung“, meint Sojun Sadykow, Präsident der aserbaidschanischen Kulturautonomie in Moskau. Die leeren Märkte schadeten vor allem den ärmeren russischen Verbrauchern. „Auf den Märkten gab es einen offenen Dialog, die Händler konnten den Preis senken. In den großen Supermarkten können die Verkäufer keine Rabatte geben“, kritisiert Sadykow. Tatsächlich sind die Lücken auf den Märkten sichtbar und das Angebot ist kleiner geworden.

Dennoch stößt das Gesetz bei den Russen größtenteils auf Zustimmung. Untersuchungen des Meinungsforschungsinstituts WZIOM zufolge bewerten 68 Prozent der Bevölkerung den Schritt als positiv. Allerdings hat nur knapp die Hälfte der Befragten nach Inkrafttreten des Gesetzes überhaupt Veränderungen bemerkt. Vielfach wird es nämlich umgangen oder ausgetrickst. Wer es sich leisten konnte, kaufte die russische Staatsbürgerschaft (nach einem Bericht der „Nowaja Gaseta“ kostet ein russischer Pass so um die 3.500 Euro Schmiergeld), andere schlossen Scheinehen, um an die Staatsbürgerschaft zu kommen.

Betätigungsverbot im eigenen Geschäft



Die übrigen Händler mussten entweder russische Verkäufer einstellen oder ihr Geschäft aufgeben. So hat auch Konstantine russisches Personal angestellt, um seine Blumen zu verkaufen. Die neue Angestellte Olga bindet gerade einen Brautstrauß zusammen und Konstantine nickt ihr anerkennend zu. Er ist zufrieden mit seiner neuen Verkäuferin und doch empfindet er es als erniedrigend, dass er selbst nicht anpacken darf. „Ich kann in meinem eigenen Geschäft nichts mehr anfassen“, klagt der knapp 60jährige.

Nerven kosten zudem die ständigen Hygienekontrollen der russischen Behörden: „Zwei – dreimal in der Woche kommen die Kontrolleure und nehmen sich die schönsten Topfpflanzen oder Blumensträuße – natürlich kostenlos“,berichtet er über die üblichen Schikanen.

Seit 39 Jahren lebt Konstantine in Moskau, doch nun will er auswandern. „Von uns Georgiern ist schon die Hälfte aus Russland emigriert“, meint er. Er träumt von Deutschland oder Amerika. Da würde man nicht so mit Ausländern umgehen, ist er überzeugt.


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