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Andrej Bitow
Andrej Bitow

Andrej Bitow:
Der professionelle Vorwortschreiber – ein Kultautor

Von Caroline Uhlig. In den 1970er und 1980er Jahren als rebellischer Kultautor gefeiert, ist Andrej Bitow heute Vorsitzender des russischen PEN-Clubs, den er nicht nur als Literaturvereinigung betrachtet, sondern auch als „Menschenrechtsorganisation“. Außerdem ist er Vorsitzender der Nabokow-Stiftung und VizePräsident der Vereinigung „Mir Kultury“ (Welt der Kultur). Er wird allzu gern als Gastdozent eingeladen, seine Kommentare sind in Zeitungen und im Fernsehen zu erleben, und vor allem ist er beliebter Ansprechpartner als Verfasser von Vorworten. In diesem Zusammenhang sieht er sich auch heute weniger als Schriftsteller sondern vielmehr als professioneller Vorwortschreiber.

„Mit dem Schreiben habe ich eigentlich immer nur versucht mich selbst zu befreien“

Mit Erzählungen, Romanen, Essays und Reiseberichten wurde Andrej Bitow zur lebenden Legende der russischen Literatur. Bitow wurde 1937 im damaligen Leningrad geboren. Während des zweiten Weltkrieges wurde er mit seiner Mutter zunächst in den Ural, später nach Taschkent in Usbekistan evakuiert. 1944 kehrte er nach Leningrad zurück, wo er aufwuchs und von 1955 bis 1962 an der Universität für Bergbau und Geologie studierte. Außerdem besuchte er die höheren Kurse für Drehbuchautoren, die ihn wahrscheinlich veranlassten, bald eigene Geschichten zu verfassen. Schon 1960 erschien seine erste Veröffentlichung. Seit 1963 lebt Andrej Bitow als Schriftsteller. Für seine literarischen Verdienste erhielt er die verschiedensten Preise im In- und Ausland, darunter den Staatspreis der russischen Föderation, den französischen Orden für Verdienste in Kunst und Kultur und 1990 den Alexander-Puschkin-Preis der Alfred-Töpfer-Stiftung.

Bitows Haltung zum Sowjetsystem, seine geistige Unabhängigkeit, brachte ihm in den 1970er Jahren die ersten Konflikte mit der russischen Zensurbehörde ein. Als Mitherausgeber des politisch provokanten Literaturalmanachs „Metropol“ kulminierte dies im Status eines halboffiziellen Schriftstellers, was folglich Publikationsschwierigkeiten mit sich brachte. Erst nach Perestrojka und Glasnost konnte Bitows Werk vollständig und unzensiert erscheinen.

Die Zeit der russischen Wende erlebte Bitow auf seine eigene Art und Weise. Er reiste ins Ausland und veröffentlichte alles noch ungedruckte Material auf eigene Kosten. Er lernte dadurch die neuen Marktmechanismen kennen, die sich nicht um den literarischen Wert einer Veröffentlichung scherten.

„Einer der wichtigsten Momente war der, als rentabel und unrentabel zum grundlegenden Maßstab für unsere Veröffentlichungen wurden. Der Charakter der Zensur veränderte sich, die ideologische wurde von der ökonomischen abgelöst.“

Durch seine beständige Suche nach neuen, normabweichenden Erzählmustern und die Ablehnung erstarrter Denkschemata wurde er zum Vorboten des Postmodernismus ernannt. Die Ausdrucksformen und Gedankengänge seiner Werke lassen die Grenzen zwischen Realität, Imagination und Phantasie verschwimmen. Während seine frühen Werke von Themen wie Liebe, Eifersucht und Selbstbetrug bestimmt sind, wendet sich Bitow in seinen späteren Veröffentlichungen mehr und mehr philosophischen und ethischen Themen zu.

Interessant wird Bitows Werk vor allem durch die immer neu erscheinenden, vorgeblich alten Texte, die in ihren veränderten Kontexten immer neue Facetten offenbaren und damit scheinbar nie vollendet sind. Im September 2003 erscheint sein “Georgisches Album“ im Suhrkamp Verlag.

Andrej Bitow auf der Frankfurter Buchmesse: siehe Autorenlesungen und Veranstaltungskalender
(/cu/.rufo)

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