Boris Schitkow: Ein Kinderbuchautor für Erwachsene
Von Xenia Bordukowa. Seinen Roman für Erwachsene „Wiktor Wawitsch“, an dem Boris S. Schitkow mehr als fünf Jahre gearbeitet hatte, betrachtete der bedeutende Kinderbuchautor als sein Lebenswerk. Zu seinen Lebzeiten wurden allerdings nur einzelne Teile des Buches veröffentlicht. Unzensiert erschien es erst 1998, 60 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers. Boris Pasternak nannte „Wiktor Wawitsch“ das beste Buch über die russische Revolution.
„Wiktor Wawitsch“ ist ein mitreißender und trauriger Bericht darüber, wie einfach es ist, sogar aus edelsten Gründen, zu einem Schurken zu werden. Nicht ohne autobiographische Einflüsse erzählt Schitkow über die Zeit der Revolution 1905. Geistreich und lakonisch in der Sprache und genau im Detail verbindet er in seinem Buch die besten Traditionen der europäischen Abenteuerliteratur und des russischen psychologischen Romans.
Boris S. Schitkow wurde 1882 in Nowgorod in der Familie eines revolutionär gesinnten Lehrers geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Odessa, wo er Kornej Tschukowskij kennen lernte, den Freund und Schriftsteller, der ihn Jahre später zum Schreiben ermunterte. 1905 schloss er sich der aufständischen Bewegung an. Nach dem Abschluss seines Studiums der Naturwissenschaften fuhr der junge Chemiker 1906 als Steuermann auf einem Schiff, arbeitete in den Jahren des 1.Weltkriegs auf einer Werft, verdiente sein Geld nach dem Ende des Krieges unter anderem als Ingenieur, Physiklehrer und Leiter einer technischen Schule.
1923 kam Boris Schitkow schließlich nach Petrograd, wo er Tschukowskij wiederbegegnete. Dieser schlug ihm vor, seine Erlebnisse, die Schitkow meisterhaft zu erzählen wusste, auf´s Papier zu bringen. Nach den ersten Veröffentlichungen 1924, in denen er sich zuerst an die erwachsenen Leser richtete, begann er für Kinder zu schreiben. Gemeinsam mit Marschak, Daniil Charms, Jewgenij Schwarz und Kornej Tschukowskij schuf er eine wunderbare Kinderbuchreihe, die es in dieser Qualität in Russland bis dahin nicht gab und die die gesamte russische Literatur nachhaltig beeinflusste.
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)