Freitag, 02.04.2004

Kalender- und Rechenhilfe: Wann ist Ostern ?

Kulitsch ist der typische russische Osterkuchen (Foto: Archiv/.rufo)
Moskau. 2011 feierten Orthodoxe, Katholiken und Protestanten noch gleichzeitig Ostern. Diesmal liegen fünf Wochen zwischen den Festen. Schuld sind Mond und Kirchenkalender. Eine kirchenhistorisch begründete Gebrauchsanweisung:
Nach Regel Nr.1 müsste Ostern eigentlich überall an ein und demselben Tag begangen werden. Zumindest legte das Kirchenkonzil von Nizäa im Jahre 325 fest, dass Ostern auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling fällt. Dabei steht der Frühlingsanfang mit dem 21.März fest. Der erste Vollmond nach dem 21.3. kann allerdings schon am 22.März sein – oder erst allerspätestens am 19.April. (Der Zeitabstand von Vollmond zu Vollmond beträgt 29,3 Tage).



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Eigentlich wäre also alles einfach, hätte es nicht die Kirchenspaltung in Ost- und Westrom, die Eroberung Konstantinopels durch die Türken und die Spaltung der Kirchenkalender in den westlichen (gregorianischen) und den östlichen (julianischen) Kirchenkalender gegeben, die sich gegenwärtig um 13 Tage voneinander unterscheiden.

Bis zur Oktoberrevolution galt der julianischen Kirchenkalender als offizieller Kalender im Zarenreich. Woraus dann auch bekanntlich folgte, dass die bolschewistische Revolution nach dem alten Kalender eine Oktoberrevolution war, deren Jahrestag aber nach dem neuen Kalender am 7.November gefeiert wird.

Während aber die Bolschewiki den Staatskalender umstellten (am 14.2.1918), hielt die russisch-orthodoxe Kirche weiter an ihrem überlieferten julianischen Kalender fest. Alle kirchlichen Feiertage sind dementsprechend in Russland um 13.Tage später als im Westen: russisch-orthodoxes Weihnachten ist am 6.Januar. Das „alte Neue Jahr“ wird am 13.Januar gefeiert. Diese Regel Nr.2 führt also auch zur Verschiebung des Frühlingsanfanges und folglich des Osterfestes. Frühlingsanfang nach dem julianischen Kirchenkalender ist der 2.April.

Das russisch-orthodoxe Osterfest kann also niemals vor dem 3. April sein. Das westliche Osterfest also niemals vor dem 22.März.

Wenn aber der erste Vollmond nach dem 21.März auch nach dem 2. April ist – und dafür sorgt manchmal der Mondkalender – dann bewirken Regel Nr.1 (Mond) und Regel Nr.2. (Kirchenkalender), dass das Osterfest an ein und demselben Sonntag gefeiert wird .... wenn, ja wenn ...

Nach orthodoxer Regel muss das Osterfest jedenfalls zudem auf einen Sonntag nach dem jüdischen Pessah-Fest fallen, wodurch es noch seltener zu einem Zusammenfallen der Osterfeste kommt. An die in Russland gebräuchlichen Regeln zur Oster-Berechnung halten sich alle orthodoxen Kirchen außer der finnischen.

Während in diesem Jahr der Abstand fünf Wochen beträgt, feiern bereits im nächsten Jahr Ost und West wieder gemeinsam Ostern. In welchen Jahren noch, das lässt sich mit der Rechentafel von Russland-Aktuell gut ausrechnen. Viel Spaß!

(kp/gim/ab/.rufo).