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Sergej Gontscharow (Foto: .rufo)
Sergej Gontscharow (Foto: .rufo)

„Russland kann Sicherheit nicht garantieren“

Moskau. Das Attentat in der Moskauer Metro forderte eine erschreckend hohe Zahl an Menschenleben und warf viele Fragen auf. russland-aktuell sprach mit Sergei Gontscharow, Sicherheitsexperte, Ex-Chef der Antiterrorgruppe Alpha und Abgeordneter der Moskauer Stadtduma über Hintergründe und Schlussfolgerungen aus diesem Anschlag. Das Gespräch führte André Ballin.

russland-aktuell: Warum erfolgte der Terroranschlag ausgerechnet jetzt? Steht er in Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen im März?

Gontscharow: Die Präsidentschaftswahlen sind ein Grund. Zweitens wollen die Banditen mit diesem Anschlag beweisen, dass ihr Widerstand ungebrochen ist. Sie wollten zeigen, dass die jüngsten politischen Ereignisse in Tschetschenien – das erfolgreich durchgeführte Referendum und die Wahl Kadyrows zum Präsidenten – ihre Moral nicht gebrochen hat und sie weiterhin in der Lage sind, Terroranschläge, wo und wann immer sie wollen, zu verüben.

russland-aktuell: Darum erfolgte der Anschlag auch ausgerechnet in der Metro?

Gontscharow: Sie haben schon alles versucht. Sie haben Anschläge im Stadion verübt, Geiseln im Musical Nord-Ost genommen. Jetzt haben sie den Weg des Massenmordes weiter beschritten und dafür ist die Metro der ideale Ort. Dort gibt es garantiert eine große Anzahl an Opfern.

russland-aktuell: Ist dies eine Einzeltat oder der Auftakt zu einer neuen Terrorserie?

Gontscharow: Darüber will ich nicht spekulieren. Das Ereignis an sich ist schrecklich genug, aber sie wissen selbst, dass dies nicht die erste Tragödie dieser Art in Moskau ist. (Bei einem Terroranschlag gegenüber dem Kreml am 9.12. waren fünf Menschen ums Leben gekommen. - d. Red.)

russland-aktuell: Was folgt daraus? Kann der Staat die Sicherheit seiner Bürger nicht garantieren?

Gontscharow: Ja, das muss man leider zugeben. Russland oder seine Führung ist derzeit nicht in der Lage, seine Bürger vor Anschlägen zu schützen. Aber das geht nicht nur uns so. So reiche Staaten wie die USA mussten diese bittere Erfahrung leider ebenfalls machen. Terrorismus ist das Problem Nummer Eins in der Welt.

russland-aktuell: Auch Wladimir Putin sagte, dass nur gemeinsame Anstrengungen gegen den Terror hilfreich seien.

Diese Frau kam mit leichten Verletzungen davon (Foto: CNN)
Diese Frau kam mit leichten Verletzungen davon (Foto: CNN)
Gontscharow: Ich weiß nicht, was Putin gesagt hat, aber mich stört vor allem eins. Außer Appellen sehe ich nichts konkretes. Wenn wir gegen den Terror vorgehen, dann zeigt dem Volk bitte, was ihr bisher getan habt. Ich will Resultate sehen, selbst wenn sie negativ sind.

russland-aktuell: Welche Maßnahmen müssen Ihrer Ansicht nach getroffen werden, um weitere Terrorakte zu verhindern oder zumindest zu erschweren?

Gontscharow: Unsere Sicherheitskräfte müssen ihre Anstrengungen allein gegen den Terrorismus richten. Wir müssen damit leben, dass andere Bereiche der Geheimdienste vernachlässigt werden, denn das Problem Nummer Eins für Russland ist der Kampf gegen den Terrorismus. Darum müssen die Sicherheitsorgane ihr Konzept umstellen und sich auf diesen Kampf konzentrieren. Die zweite Maßnahme ist rein technischer Natur. Es müssen Mittel und Kräfte bereit gestellt werden, um den Verkehr in der Metro zu kontrollieren und andere Massenveranstaltungen zu überwachen.

russland-aktuell: Sie kennen wahrscheinlich die alte russische Frage, die der Publizist Alexander Herzen schon im 19. Jahrhundert stellte: Wer ist schuld?

Bei Russland-Aktuell
• Operative Arbeit des FSB muss umorientiert werden (9.12.03)
Gontscharow: Es ist schwer, einen Schuldigen auszumachen. Die Terroranschläge gab es schon vor Putin. So lange es das Problem Tschetschenien gibt, wird Terror für uns aktuell bleiben.

russland-aktuell: Wie kann der tschetschenische Knoten durchschlagen werden?

Gontscharow: Wir müssen entweder eine politische Lösung finden, die alle Seiten zufrieden stellt. Dies gäbe uns zumindest größere Sicherheit vor derartigen Anschlägen. Oder, wenn wir dazu in der Lage sind, - was ich nicht beurteilen kann – müssen wir „spezielle“ und kriegerische Maßnahmen ergreifen, um die tschetschenischen Terroristen physisch zu vernichten.


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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)



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