Mittwoch, 24.11.2004

Juschtschenko – Der Revolutionär?

Juschtschenko auf der Demo in Kiew (Foto: RIA Nowosti)
Von André Ballin, Kiew/Moskau. Laute Rockmusik spielt auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz für den Oppositionskandidaten Viktor Juschtschenko. Und tatsächlich ist er fast so populär wie ein Rockstar. Aus voller Kehle schreien die Demonstranten seinen Namen, wenn sie gefragt werden, wer der neue Präsident der Ukraine werden soll. Unter seinen Anhängern sind viele Jugendliche und Studenten.
Juschtschenko ist ein Phänomen, das nicht mit seinem Aussehen erklärt werden kann. Früher, d.h. vor seiner Vergiftung, konnte er damit vor allem bei den weiblichen Wählern punkten. Inzwischen hat er ein pockiges, leicht aufgedunsenes Gesicht und sieht merklich gealtert aus. Seinem Image hat das kaum geschadet.

Er gilt als der Oppositionär zum Kutschma-System, einem System das sich ein Jahrzehnt durch Korruption am Leben hielt. Freilich hatte auch Juschtschenko in dem System seinen Platz. Er war erst Zentralbankchef und zwei Jahre lang sogar Premierminister. Als er jedoch gegen den Filz vorgehen wollte, wurde er gefeuert.

Jetzt ruft er seine Anhänger zur Revolution auf und polarisiert das Land. Es gibt zwar selbst unter den Janukowitsch-Wählern kaum jemand, der große Sympathien für den mit (groß)väterlicher Gestik daherkommenden Premier hegt. Doch er gilt seinen russischsprachigen Wählern immer noch als einzige Alternative zum ihrer Meinung nach viel zu radikalen und nationalistischen Juschtschenko.

Aussagen wie „Die Ukraine den Ukrainern“, mit denen er aufgetreten sein soll, sind es, die seinen Gegnern übel aufstoßen. Denn die Ukraine ist bei aller Eigenständigkeit aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Bevölkerungsstruktur eng mit Russland verbunden. Offiziell hat Juschtschenko das immer wieder betont. Jetzt muss er das allen glaubhaft machen, um eine Spaltung des Landes zu verhindern, sollte seine Revolution erfolgreich sein.