Kaido Simmermann kämpft mit Eesti Raudtee schwer mit den Folgen des russischen Boykotts (Foto: RZD)
Estland leidet unter russischem „Liebesentzug“
Riga. Kaido Simmermann ist Vorstandsvorsitzender der estnischen Bahn Eesti Raudtee. Die estnische Bahn hat freilich schon bessere Zeiten gesehen. Nach dem Denkmalstreit kommen kaum noch Waren aus Russland. Ein Interview:
R-A: Wie viel Güter hat die Estnisches Eisenbahn im vergangenen Jahr befördert, und welche Güter wurden hauptsächlich transportiert?
Simmermann: Im letzten Jahr waren es 36 Mio. Tonnen. Das ist weniger als 2006, in dem wir 44 Mio. Tonnen Güter transportiert haben. In erster Linie waren es Öl und Ölprodukte. Im innerestnischen Verkehr wurde zudem auch Ölschiefer befördert für die Energiegewinnung.
R-A: Wie groß ist der Anteil russischer Güter. Welchen Einfluss hat der Streit um den Bronzesoldaten und der Boykottaufruf ranghoher russischer Politiker gegenüber Estland?
Simmermann: Russische Güter machen etwa 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Der Rückgang des Transportumsatzes im vergangenen Jahr liegt tatsächlich darin, dass Russland inzwischen darauf setzt, seine Waren über die eigenen Häfen abzufertigen. Daher bleibt nicht so viel für uns übrig. Wir können dieses Problem nicht lösen, denn wir wissen, dass Russland seine eigenen Häfen entwickeln will, dahin investiert und auch seine Güter darüber abwickelt. Das ist sein gutes Recht. Wir schauen daher auf andere Güter, z.B. Containertransporte, die wir zusätzlich transportieren können.
R-A: Können Sie etwas ausführlicher zum Projekt Rail Baltica Stellung nehmen, das 2013 starten soll.
Simmermann: Die Rail Baltica verbindet Tallinn mit Warschau. Inzwischen haben alle drei baltischen Eisenbahnen Geld von der EU erhalten, um das Teilstück Tallinn – Valga – Riga – Kaunas zu rekonstruieren. In Estland wird dabei eine Generalüberholung der Strecke durchgeführt, damit die Züge dort auf 120 km/h beschleunigen können. 2011 wird diese Modernisierung abgeschlossen sein. Litauen und Lettland sind bis 2013 fertig. Litauen plant auf der Strecke zwischen Kaunas und Warschau sogar noch höhere Geschwindigeiten zu entwickeln. Wir erwarten etwa 2 – 3 Mio. t auf diesem Weg zu befördern. Eventuell kann die Strecke noch nach Helsinki erweitert werden.
R-A: Wie verläuft die Integration der estnischen Bahn in die EU?
Simmermann: Wir arbeiten daran, aber wir haben eben eine andere Spurbreite als in Europa. Derzeit suchen wir nach Kooperationsmöglichkeiten. Allerdings laufen die Transporte nicht von Nord nach Süd, sondern von Osten nach Westen, d.h von China aus. Aus Europa haben wir derzeit nur einen sehr kleinen Warenumfang. Wir hoffen eben auf die Rail Baltica und das damit verbundene Umspursystem.
R-A: Vielen Dank für das Gespräch!
Kaido Simmermann ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der estnischen Bahn Eesti Raudtee. 1995 – 2006 Direktor für Infrastrukturfragen bei Eesti Raudtee, 1994 – 1995 Berater des Generaldirektors von Eesti Raudtee.
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)