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Pures Gold verspricht das Doping-Geschäft (Grafik: www.fotoimedia.ru)
Pures Gold verspricht das Doping-Geschäft (Grafik: www.fotoimedia.ru)

Welche Rolle spielt Russland im Welt-Dopinghandel?

Moskau. Immer wieder fallen russische Sportler bei Doping-Tests auf. Bei den Doping-Skandalen aber wird meist vergessen, wer am Doping am meisten verdient: Pharma-Konzerne und ihre Vertriebsnetze, weltweit und in Russland.

Den größten Drahtziehern im schmutzigen Sportgeschäft, nämlich den weltweiten Dopingnetzwerken, ging Sandro Donati, Italiens renommiertester Dopingbekämpfer, im Auftrag der WADA auf die Spur.

Seine Erkenntnisse: Die Dealer von Heroin und Wachstumshormonen sind in den meisten Fällen dieselben. Die wesentlichsten Routen des weltweiten Dopinghandels decken sich mit jenen des Drogenhandels.

Die Wege des Dopinghandels und des Drogenhandels decken sich ... und führen auch über Russland


Der größte Player im Schwarzmarkt ist nach Donatis Erkenntnissen die „Russenmafia“. 20 Prozent des globalen Umsatzes laufen von Russland und Ex-UdSSR-Ländern nach Westeuropa, Nordamerika und in den Mittleren Osten. Und die Situation in Russland lässt auch Vermutungen zu, dass hier das Organisierte Verbrechen mitmischt.

Bei Russland-Aktuell
• Ist Doping ein Phänomen des russischen Sports? (10.02.2009)
Nikolai Durmanow, Direktor der Antidopingkomission des russischen NOK, hält den Kampf gegen das Doping sogar schon für verloren, zumal vor dem Hintergrund der seiner Meinung nach katastrophalen Entwicklung in Russland.

Zwar steht auch in Russland Doping unter Strafe. Einige Anabole Steroide und andere Doping-Mittel sind gemäß Artikel 234 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation den Drogen wie Kokain, Heroin und Marihuana gleichgestellt. Aber die Praxis sieht anders aus.

Ist der Kampf gegen Doping schon verloren?


Durmanow sagt: „Tausende arbeitslose Chemiker, ein unregulierter Arzneimittel-Markt und unzählige Talente, die mit dem Sport ihrem elenden Leben entfliehen möchten - bei uns sind alle Voraussetzungen gegeben, um alles nur noch schlimmer zu machen. Russland könnte in Sachen Doping für Europa das werden, was Kolumbien in Sachen Kokain für die USA ist".

Die Grossproduzenten und Gewinner im Dopinggeschäft sitzen allerdings bisher überwiegend nicht in Russland.

Internationale Pharmakonzerne erzielen Millionengewinne


Zu den maßgeblichen Treibern des Dopings zählen internationale Pharmakonzerne, die fünfmal so viel Anabolika und EPO herstellen, wie aus therapeutischen Zwecken eigentlich notwendig wäre.

Bei Russland-Aktuell
• Russische Funktionäre geben Doping im Biathlon zu (04.02.2009)
• Neuer Doping Skandal droht im russischen Biathlon-Sport (03.02.2009)
• Tödliches Doping: Eishockey-Verantwortliche gesperrt (16.01.2009)
So geriet etwa der US-Biotechkonzern Amgen, dem es 1989 erstmals gelungen war, EPO zur Behandlung von Blutarmut bei Krebs-und Nierenpatienten synthetisch herzustellen, ins Dopingzwielicht. Amgen setzte mit dem Präparat innerhalb eines Jahres sechs Milliarden Dollar um. Ärztlich verordnet wurden allerdings nur Ampullen im Wert von 1,5 Millionen Dollar.

Laut einer aktuellen Studie des belgischen Senats werden etwa 80 Prozent der jährlichen Produktion von EPO und 84 Prozent der Wachstumshormone weltweit illegal im Sport abgesetzt.

Auch Anti-Doping ist ein Geschäft


NOK-Mann Nikolaj Durmanow sagte dazu: “Die Antidoping Labors beschaffen Ausrüstungen nur in Deutschland und in den USA. Das erlaubt den nationalen Anti-Doping-Komitees, ihre Proben zu vergleichen. Um das Wachstumshormon zu entdecken, braucht man ein Gerät, das eine Million Dollar kostet. Um dem Gen-Doping auf die Spur zu kommen, braucht man fünf Geräte.”

Es werden in Russland Millionen für Prämien ausgegeben - aber nur ein Bruchteil davon für funktionierende Antidoping Labors. Dadurch wird natürlich den Sportlern und ihren Trainern eine weit geöffnete Tür geboten.


Sponsoren wissen, dass nur ein als "sauber" erscheinender Sport langfristig ihre Werbeinteressen und Absatzinteressen bedient und Einnahmen sichert.

Sie schreiben deshalb Anti-Doping-Klauseln in ihre Athletenverträge aber wechseln beim Versagen der von ihnen geförderten Athleten ebenfalls schnell zu erfolgreicheren Sportlern oder Mannschaften, die (noch) nicht des Dopings überführt worden sind. Und manchmal sogar auch nicht.

Nach dem 20 Kilometer Geherwettbewerb bei den Olympischen Spielen in Peking sagte die Siegerin Olga Kaniskina aus Russland: „Ich komme aus einer Trainingsgruppe, wo die Hälfte gedopt ist”. Diese Aussage blieb ohne bekannte Folgen.

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Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



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