Donnerstag, 21.06.2012

Advocaat zu russ. EM-Pleite: „Seien wir realistisch“

Dick Advocaat ist wieder zuhause in Holland und vermisst die russische Hymne. (Foto: newsru.com)
Den Haag. Dick Advocaat hat nach dem Ausscheiden der russischen Elf bei der EM ein erstes Interview gegeben. In Russland geht derweil die Suche nach einem Nachfolger für den National-Coach weiter. Spalletti wird es nicht.
Klammheimlich hat er sich davongeschlichen nach dem unerwarteten Ausscheiden der russischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft – so kam es jedenfalls vielen Menschen im enttäuschten Russland vor.

Dick Advocaat, dessen Vertrag als Cheftrainer der Sbornaja mit dem letzten Spiel gegen Griechenland in Warschau ausgelaufen war, hatte statt mit der Mannschaft nach Moskau zu fliegen den entgegengesetzten Weg angetreten – nach Hause, nach Holland.

Nach dem schmerzhaften Aus hatte Advocaat tagelang geschwiegen. Jetzt hat er der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“ ein Interview gegeben, aus dem der russische „Sowetski Sport“ heute zitiert.

“Einfache russische Jungs“


„Die Menschen können die ganze Schuld mir geben, aber seien wir realistisch“, so Advocaat. Gegen Tschechien habe seine Elf „hervorragend“ agiert, in der ersten Hälfte die Polen in den Schatten gestellt und „die Griechen hoch schlagen müssen“. Aber das sei nicht geschehen, „und deswegen sind wir nach drei Spielen aus dem Turnier geflogen“.

Die Mannschaft habe „aus einfachen russischen Jungs“ bestanden, da sei kein Star dabei gewesen. Und doch sei es ein starkes Team gewesen. „Uns fehlte wohl ein Stück weit die nötige Klasse, um die Griechen zu schlagen, die nur auf Abwehr gespielt haben“, so der holländische Fußballlehrer.

Ein Fan der russischen Hymne


Die Nichtverlängerung seines Vertrages mit dem Russischen Fußballverband RFS bis 2014 bringt er „mit Politik“ in Verbindung. Sollte der RFS jetzt wieder einen Ausländer verpflichten, „verstehe ich gar nichts mehr. Wenn es ein Russe wird, ist mir alles klar“.

Was ihm auf jeden Fall fehlen wird in Zukunft, ist… die russische Nationalhymne. „Sie gefällt mir wahnsinnig, sie ist unvergleichlich! (…) Wenn das ganze Stadion die Hymne singt, ist das richtig schön.“

Neuer Trainer nicht Spalletti


In Russland wird derweil viel und heftig diskutiert, wer den vakanten Trainersessel einnehmen soll. Gazprom, Hauptaktionär und Generalsponsor von Zenit St. Petersburg, hat am Donnerstag verkündet, dass Luciano Spalletti, der mit Zenit zwei Mal russischer Meister wurde, nicht zur Nationalmannschaft wechseln wird.

„Spalletti wird Zenit trainieren, wir brauchen ihn selbst“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Rande des Petersburger Weltwirtschaftsforums. Der RFS will den Namen „des Neuen“ noch vor Ende der EM preisgeben.

In der russischen Presse kursieren neben mehreren russischen Trainern so illustre Namen wie Joachim Löw, Fabio Capello, Bernd Schuster und Josep Guardiola.