Freitag, 15.06.2012

Randale vor dem Stadion – geht es Samstag weiter?

Schläge vor dem Stadion - dagegen ist die UEFA machtlos. (Foto: newsru.com)
Warschau. Beim Spiel gegen Polen haben polnische Hooligans am Dienstag Jagd auf russische Fans gemacht. Vor dem letzten Gruppenspiel am Samstag könnte es wieder heiß werden. Aus Russland reisen Schlägergruppen an.
Die Zeitung „Kommersant“ berichtet am Freitag über „mehrere hundert schwere Jungs“ aus Russland, die angeblich am Samstag in Warschau gegen polnische Hooligans auftreten wollen. Ein Informant aus Moskauer Hools-Kreisen sagte dem Blatt, sie wollen „sich unter die 20.000 Fans mischen“, die Russlands Nationalelf vor Ort unterstützen wollen.

Sie wollten „es den polnischen Schlägern heimzahlen“, die am Dienstag russische Fans in Warschau überfallen und verprügelt hatten, heißt es. Friedliche Fans müssen also Angst haben, wenn sie sich vor und nach dem Spiel durch die Stadt bewegen.

Manche Supporter haben bereits aufgegeben und ihre Rückflüge umgebucht. Laut der Fluggesellschaft Belavia wollen „mehrere Dutzend Russen“ früher als geplant zurückfliegen. Unter ihnen seien auch solche, die am Dienstag bei den Schlägereien verletzt worden sind.

Krawalle führen nicht zu Punktabzug


Die Krawalle in Warschau haben allerdings nichts mit der Entscheidung der UEFA zu tun, Russland „auf Bewährung“ sechs Punkte bei der Qualifikationsrunde zur nächsten Europameisterschaft abzuziehen. Das ist die Strafe für abgefackelte Feuerwerkskörper und Auseinandersetzungen mit Stadionordnern beim ersten Gruppenspiel gegen Tschechien.

Außerdem hat der Russische Fußballverband (RFS) noch ein Disziplinarverfahren am Hals – erneut geht es um im Stadion gezündete Bengalos, dieses Mal beim Spiel in Warschau. Dafür muss sich übrigens auch der Polnische Fußballverband verantworten.

Die Krawalle in Warschau hat die UEFA „nur“ verbal verurteilt. Sie fordert eine vollständige Aufklärung und die Bestrafung der Schuldigen. Den Schritt nach draußen machen die Fußballbosse nicht – in den Stadien auf die absolute Einhaltung der Regeln bedacht, überlassen sie die Ahndung der Gewalt auf den Straßen anderen.

Disqualifikation von Polen undenkbar


Ansonsten müssten die Polen wohl Abschied vom Turnier nehmen. Die Polizei konnte den Ausschreitungen nicht Herr werden, obwohl sie seit Monaten vorgewarnt und sogar von russischen Kollegen im Vorfeld beraten worden war.

Eine Disqualifikation für Co-Gastgeber Polen ist natürlich undenkbar, denn dann wäre das „Fußballfest“ Europameisterschaft nämlich zu Ende – in Zeiten des durch und durch kommerzialisierten „modernen Fußball“ schier ein Ding der Unmöglichkeit.