Freitag, 27.06.2008

Andrej Arschawin – Diva mit Jungengesicht

Mit Zenit konnte Arschawin bereits den UEFA-Cup gewinnen (Foto: newsru)
Moskau. Andrej Arschawin gilt als der talentierteste Fußballer Russlands, aber auch als der launischste. Im Halbfinale wirkte er lustlos und uninspiriert. Russland verlor mit 0:3. Trotzdem war die EM ein Erfolg für ihn.
International erlebte Andrej Arschawin bei der Fußball-EM in Österreich und der Schweiz seinen großen Durchbruch. Nun jagen ihn europäische Spitzenvereine, wie Barcelona und Arsenal. Der kleine wendige Spielmacher und Stürmer hatte schon vor dem Halbfinale seiner Sbornaja gegen die Iberer erklärt, dass er in Spanien spielen wolle.

Arschawin bietet sich den Spaniern an


„Ich weiß, dass man sich in England und Deutschland für mich interessiert, aber ich hoffe immer noch auf ein Angebot aus Spanien“, bot sich der Stürmer unmittelbar vor dem Halbfinale feil. Es war aus mannschaftlicher Sicht nicht der psychologisch günstigste Moment für die Eigenvermarktung, doch der Exzentriker ist auch nicht unbedingt als Mannschaftsspieler bekannt.

In Russland ist Arschawin bereits seit langem ein Star. Dabei glänzt er nicht nur durch schöne Tore, Dribblings und herrliche Pässe auf dem Platz, sondern auch durch zahlreiche Eskapaden.

Bester oder undiszipliniertester Fußballer Russlands?


Auch wenn Arschawin mit seinem Jungengesicht so aussieht, als könne er kein Wässerchen trüben. Der Halbstürmer von Zenit St. Petersburg ist mit allen Wassern gewaschen. Seit Jahren ist er mit einem Jahresgehalt von 2,5 Mio. Euro der bestverdienende Fußballer in der russischen Premierliga.

Dabei legt er sich immer wieder mit seinen Trainern und auch Spielerkollegen an. In der Vergangenheit fiel er schön öfter durch Undiszipliniertheiten auf. Vor einigen Jahren lieferte er sich eine Dauerfehde mit Zenit-Trainer Vlastil Petrzela, die wohl dessen Rauswurf beschleunigte.

Party vor dem Spiel gegen den Erzfeind


Aber auch mit dem Nachfolger Dick Advocaat gab es schon Ärger. Vor dem Spiel gegen den Erzfeind Spartak Moskau soll er nicht nur die ganze Nacht durchgezecht haben, sondern auch gleich noch zwei Vereinskameraden dazu verführt haben.

Das Spiel ging verloren, die drei „Saufbrüder“ schlichen mehr über den Platz, als dass sie liefen. Advocaat verbannte sie kurzfristig in die zweite Mannschaft, doch musste er seinen Star schnell begnadigen. Ohne die „Diva“ spielt Zenit eben nur mittelmäßig.

Gegen Fußballzwerg Andorra verärgerte Arschawin auch Advocaats Landsmann Guus Hiddink durch ein dummes Revanchefoul. Hiddink entschied sich aber, Arschawin trotz der Zwei-Spiele-Sperre zur EM mitzunehmen. Ein Schachzug der sich auszahlte – für beide Seiten. Denn Arschawin nutzte die EM, um sich ins Rampenlicht zu spielen.

Arschawin – der Selbstvermarkter

Selbstvermarktung war eigentlich schon immer die große Stärke Arschawins, auch außerhalb des Platzes. Über seine Homepage wird per Internetshop allerlei Fußball-Zubehör vertrieben. Zudem hat Arschawin schon eine eigene CD und eine Modekollektion für Frauen herausgebracht. Für Mode hat Arschawin ohnehin ein Faible – immerhin ist er gelernter Modedesigner. Ein echter Divencharakter eben.

Politik galt hingegen nicht als Steckenpferd des Fußballers. Das hinderte ihn nicht daran, im vergangenen Jahr für die Kremlpartei „Einiges Russland“ Wahlkampf zu machen.

Ins Parlament zog er freilich nicht ein. Noch ist Politik allenfalls ein lukrativer Nebenjob. Läuft er demnächst für Barcelona auf, kann der Kreml dennoch auf die Werbewirkung seines „Botschafters“ hoffen.