Freitag, 18.01.2013

Korruptionsaffäre: Serdjukow setzt auf falschen Weg

Anatoli Serdjukow: Die Wege des Herrn sind unergründlich. Manchmal führen sie zu Datschas von Verwandten (Foto: Archiv)
Moskau. Ex-Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow droht Zeitungsberichten nach eine baldige Anklage. Grund sind nicht die riesigen Veruntreuungen in seinem Ministerium, sondern eine Straße zur Datscha seines Schwagers.
Zweimal haben die Ermittler Anatoli Serdjukow schon vorgeladen. Viel geredet hat der Ex-Minister nicht. Beim ersten Mal wollte er nichts ohne seinen (zu der Zeit kranken) Anwalt sagen und auch nach dessen Genesung verweigerte Serdjukow die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. „Eigenartig“, nannte die Ermittlungsbehörde das Verhalten Serdjukows und drohte damit, seinen Zeugenstatus in den eines Angeklagten zu verwandeln.

VIP-Datscha im Wolga-Delta


Das könnte nun bald geschehen, allerdings nicht im Fall „Oboronservice“, zu dem Serdjukow bisher verhört wurde. Stattdessen soll dem nach einem Seitensprung in Ungnade gefallenen 51-Jährigen (er war immerhin mit der Tochter des Putin-Vertrauten Viktor Subkow verheiratet) nun eine andere Affäre zum Verhängnis werden: Ein Erholungslager im Wolga-Delta, unweit der Stelle, wo noch eineinhalb Jahren Wladimir Putin und Dmitri Medwedew einträchtig beim Angeln waren.

Das Objekt gehört dem Petersburger Geschäftsmann Waleri Pusikow, der zugleich Schwager Serdjukows ist. Für Normalsterbliche ist das Erholungslager nicht zugänglich. Stattdessen hat es sich auf den Empfang von VIPs spezialisiert. In der Zeit Serdjukows als Verteidigungsminister wurde es für die Streitkräfte zum Prioritätsobjekt.

Ministerium begrünt und baut Straße


Wie anders ist es zu erklären, dass Wehrpflichtige aus einem nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt per Hubschrauber zur Datscha geflogen wurden, um dort Rasen auszulegen und die Anlage zu begrünen. Zudem soll das Verteidigungsministerium den Bau einer Zufahrtsstraße zu der abgelegenen Minister-Datscha finanziert haben. Die Kosten belaufen sich auf 18 Mio. Rubel (450.000 Euro).

Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs laufen bereits. Einen Angeklagten in dem Fall gibt es noch nicht, doch die Anzeichen mehren sich, dass Serdjukow sich bald in dieser Rolle wiederfindet. Das Strafmaß für Amtsmissbrauch variiert von einer saftigen Geldbuße bis hin zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren.