Dienstag, 21.07.2015

Milliardär Milner greift nach den Sternen

Juri Milner macht sich auf die Suche nach außerirdischem Leben (Foto: people.su)
Moskau. Internet-Milliardär Juri Milner ist auf der Suche nach Außerirdischen. Für die Suche nach Leben auf anderen Planeten will der russische Oligarch 100 Millionen Dollar über seine Stiftung an Astronomen übergeben.
Am Ende war die Liebe stärker als die Enttäuschung. Eigentlich wollte Juri Milner, Sohn des bekannten Sowjetökonomen Benzion Milner, Naturwissenschaftler werden. Nach seinem Diplom als Physiker arbeitete der heute 53-Jährige unter der Leitung des späteren Nobelpreisträgers Witali Ginsburg an der Akademie der Wissenschaften im Bereich Theoretische Physik. Doch enttäuscht von seinem fehlenden Talent, wie er später einräumte, sattelte er in der Perestroika auf Handel und Finanzen um.

Sein erstes Geld verdiente er mit dem Verschachern von Computern, später studierte er in den USA Wirtschaft und wurde zum Russlandspezialisten der Weltbank für den Bankensektor und den Aufbau der Privatwirtschaft. Dann holte ihn Michail Chodorkowski zur Menatep-Bank, wo er während der Privatisierungen das Investmentgeschäft leitete.

Aufbau der Internetbranche in Russland


Seine Berufung fand Milner um die Jahrtausendwende, als er sich selbständig machte, um zum Internetpionier in Russland zu werden. Mit Mail.ru baute er eines der größten Internetportale Russlands auf.

Der von ihm gegründete Fonds Digital Sky Technologies (DST) investierte mit finanzieller Unterstützung des Oligarchen Alischer Usmanow noch vor dem ganz großen Boom in Facebook, Zynga und Groupon. Nach dem Börsengang von Mail.ru war auch Milner in der Oberklasse der russischen Finanzelite angekommen. Forbes schätzt das Privatvermögen des gebürtigen Moskauers auf 3,4 Milliarden Dollar.

Förderer der Wissenschaft


Finanziell ausgesorgt wurde es Zeit zu seiner eigentlichen Liebe der Wissenschaft zurückzukehren. Als Physiker mag Milner gescheitert sein, als Mäzen hat er es inzwischen zu gewaltiger Bedeutung gebracht - nicht nur für die unterfinanzierte russische Wissenschaft, sondern im weltweiten Maßstab.

Seine vor drei Jahren ausgelobte „Prämie zur fundamentalen Physik“ übertrifft mit einem Preisgeld von drei Millionen Dollar den Nobelpreis um mehr als das Doppelte. Hinzu kommen Millionenprämien in den Bereichen Mathematik und Medizin. Doch in wahrhaft astronomische Höhen hat er seine Wissenschaftsförderung nun mit einem Programm zur Erforschung außerirdischen Lebens getrieben, das er sich 100 Millionen Dollar kosten lässt.

Gibt es Leben im All?


Ziel des Projekts ist die Sammlung und Auswertung von Daten über mögliche Signale, die an die Erde gesandt wurden. Ein Teil des Gelds geht in die Anmietung von Riesenteleskopen zur Beobachtung der Galaxis, der Rest in Computer und Datenbanken. Zugang zu den Informationen sollen neben professionellen Wissenschaftlern auch Hobby-Astronomen bekommen.

Milner selbst weiß um die Unwahrscheinlichkeit eines Erfolgs. Und doch scheint ihm das Geld in der Arbeit von Superteleskopen besser angelegt als in einer Superyacht, wie sie viele andere Oligarchen besitzen.