Freitag, 05.04.2013

Offshore-Skandal: Der Vizepremier und die Schatzinsel

Meine Hände sind sauber: Igor Schuwalow gerät im Zuge der offshore-Affäre ins Visier der Presse (Foto: telekomza.ru)
Moskau. Schwere Zeiten: Nirgends ist das Geld mehr sicher. Zypern? Pleite! Und auch die britischen Jungferninseln sind kein gutes Geld-Versteck musste Russlands Vizepremier Igor Schuwalow im neuen offshore-Skandal erfahren.
Offshore Leaks hat das Zeug zum größten Finanzskandal der Geschichte: Daten über rund 130.000 Steuerflüchtlinge aus mehr als 170 Ländern wurden dem internationalen Journalistenkonsortium ICIJ zugespielt. In zahlreichen Staaten, darunter auch in Deutschland, sind schon Ermittlungen angelaufen.

Vize-Premier auf den Jungferninseln


In Russland ist noch nichts passiert. Dabei haben die Daten auch für Moskau Brisanz. Unter den Kontoinhabern sind Top-Manager des Staatskonzerns Gazprom und Olga Schuwalowa, die Ehefrau von Russlands mächtigem Vizepremier Igor Schuwalow.

Schuwalow gehört seit langem zum engsten Kreis um Präsident Wladimir Putin. Im Rating der mächtigsten Männer Russlands belegte er im März den achten Platz. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet er schon im Staatsdienst. Unter Putin war er zunächst im Regierungsapparat und dann in der Kremlverwaltung tätig, ehe er mit ihm wieder in die Regierung ging. Als Vizepremier ist er für Wirtschaftsfragen, speziell die Privatisierung, verantwortlich.

Multimillionär als Regierungsbeamter


Schuwalow ist Fachmann auf dem Gebiet. Schon seit Jahren ist er offiziell einer der reichsten Kremlbeamten, wobei das Geld nicht er, sondern seine Frau Olga nach Hause bringt. Sie ist die Begünstigte des Fonds Sevenkey. Der bringt regelmäßig gute Einnahmen: 2008 waren es 8,3 Mio. Euro, 2009 sogar rund 16 Mio. Euro. Zur Erinnerung: Das war zur Zeit der internationalen Finanzkrise, als die meisten Anleger katastrophale Geschäfte machten.

Der Fonds des russischen Chefprivatisierers wusste aber offenbar genau, wo und wann er ein- bzw. aussteigen musste. 2012 war der deklarierte Verdienst mit 1,1 Mio. Euro verhältnismäßig gering. Dafür tauchten im vergangenen Jahr Informationen darüber auf, dass Sevenkey vor einigen Jahren mit der Spekulation auf Gazprom-Aktien rund 100 Mio. USD verdient haben soll.

Während ihm der Blogger Alexej Nawalny Bestechlichkeit vorwirft und erklärt, Schuwalow habe riesige Summen von den Oligarchen Alischer Usmanow und Roman Abramowitsch eingesteckt, versichert Schuwalow eifrig: „Es gibt keinen Interessenkonflikt.“

Verbot von Auslandsaktiva tangiert Schuwalow nicht


Offenbar auch nicht dadurch, dass der Großteil des Geldes auf offshore-Konten lagert. Präsident Wladimir Putin hatte noch im Dezember eine „Renationalisierung“ der politischen Elite gefordert und das Verbot von Auslandsaktiva eingefordert – die Vorgabe wurde inzwischen gehorsam von der Duma abgenickt.

Zu befürchten hat Schuwalow trotzdem nichts. Erst vor zwei Tagen wurde er von Premier Dmitri Medwedew mit der Neuformulierung der Pläne für den Fernen Osten Russlands betraut. Eine Idee des Kremls besteht darin, die Region zu einer offshore-Zone in Russland umzuwandeln. Schuwalow ist da ja Fachmann.