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Montag, 30.04.2012

Staatsanwaltschaft Ukraine: Timoschenko simuliert

Ein Bild aus besseren Zeiten: Julia Timoschenko (Foto: TV)
Kiew. Wenn man der ukrainischen Staatsanwaltschaft glauben könnte, ist Ex-Regierungschefin eine Simulantin. Das Rückenleiden ist simuliert, die blauen Flecke sind u.U. selbstgemacht - und die Weltöffentlichkeit hat sich einen kapitalen Bären aufbinden lassen.
Die Story erinnert ein wenig an den Streit um die Vergiftung des Timoschenko-Partners und Ex-Präsidenten Viktor Juschtschenko.

Das Gesicht des als "schönster Mann der Ukraine" geltenden Juschtschenko war durch eine Hautvergiftung fürchterlich entsstellt worden. Juschtschenko behauptete, die ukrainischen Geheimdienste hätten ihn vergiftet; schweizer Ärzte bescheinigten ihm eine Chlorakne; die Kiewer Regierung warf ihm Selbstverstümmelung vor. Inzwischen ist das Gesicht Juschtschenkos weitgehend geheilt.

Nach Mitteilung der zuständigen Staatsanwaltschaft im Verwaltungsgebiet Charkow könnte sich Julia Timoschenko die zahlreichen blauen Flecke an Armen, Beinen und im Bauchbereich selbst zugefügt haben. Jedenfalls handele es sich nicht um die Spuren von Gewaltanwendung durch Vollzugsbeamte, wie Timoschenkon selbst erklärt.

Nach Meinung von Gerichtsmedizinern sind die Hämatome nicht am 20.April entstanden. Auch seien sie nicht die Folge eines Handgemenges oder eines Faustschlages in den Bauch, sondern die Spuren von "Druck durch stumpfe feste Gegenstände". Das ergebe sich auch daraus, wo die Flecken sind.

Sie könnten durch "relativ geringen Druck" ausgelöst worden sein, schreibt die "Ukrainische Prawda" unter Berufung aus Staatsanwaltschaft und Gerichtsmediziner. Einen Faustschlag in den Bauch habe es "auf gar keinen Fall" gegeben.

Die Ärzte stützen sich allerdings mit ihrer Diagnose nicht auf eine medizinische Untersuchung von Julia Timoschenko selbst, da diese Zusammenarbeit mit ukrainischen Medizinern hartnäckig verweigert, weil sie ihnen nicht traut.

Bereits in der vergangenen Woche hatten die Behörden versucht, Timoschenkos Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Es tauchte eine Videoaufzeichnung der Zellenüberwachungskamera auf, auf der zu sehen ist, wie eine Frau, die Timoschenko sehr ähnlich ist, in der Zelle auf und ab geht. Als Timoschenkos Anwalt die Zelle betritt, legt die Frau sich schnell hin und schlüpft unter die Decke.

Timoschenko selbst erklärt, sie könne wegen ihres Rückenleidens nicht aufstehen. Ärzte der Berliner Charite bescheinigten ihr einen doppelten Bandscheibenvorfall.

Mit ihrem Hungerstreik protestiert Timoschenko gegen Misshandlung und Haftbedingungen und will durchsetzen, dass sie im Ausland behandelt werden kann.

Sie wolle solange hungern, wie es politische Repressionen in der Ukraine gibt, die von Präsident Viktor Janukowitsch in ein KZ verwandelt werde. Darauf wolle sie die Welt aufmerksam machen.

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