Dienstag, 28.08.2007

Titow: Ein Titan der Jelzin-Ära tritt ab

Konstantin Titow muss den Gouverneurssessel räumen (Foto: NTW)
Samara. 16 Jahre lang leitete Konstantin Titow die Geschicke der wirtschaftlich wichtigen Wolga-Region Samara. Mehrfach legte er sich in dieser Zeit mit Kreml und Business an. Nun ist Schluss für den Langzeit-Gouverneur.
Konstantin Titow gilt als eines der Schwergewichte in der politischen Landschaft Russlands. Seit 1991 bekleidete er das Amt des Gouverneurs in der Region Samara. Von 1996 - 2002 leitete er im Föderationsrat den Haushaltsausschuss.

Titow vs Beresowski: Der Liberale gegen den Oligarchen


Für Russlands 1. Präsidenten, Boris Jelzin, war Titow war ein politischer Verbündeter und Weggefährte, auch wenn er eine tiefe Abneigung gegen dessen graue Eminenz im Kreml, Boris Beresowski, hatte. „Das ist doch ein schwarzer Dämon“, soll Titow über Beresowski einmal gesagt haben.

Die Abneigung kam nicht von ungefähr. Bereswoski hatte sein erstes Geld im Gebiet Samara gemacht. Er soll in den Jahren 1993 - 1994 den Diebstahl von etwa 2.000 Lada-Pkw aus dem Avtovaz-Werk in Togliatti organisiert haben.

Niederlage gegen Putin


Im Jahr 2000 trat Titow dann gegen den von Beresowski damals noch unterstützten Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen Wladimir Putin an. Freilich erlitt der Gouverneur eine schmerzhafte Niederlage. 1,5 Prozent erzielte er landesweit und selbst in seiner Region Samara kam er nur auf etwa 20 Prozent.

Als Gouverneur konnte er sich indes zunächst behaupten, gewann die Wahlen 2000 und fünf Jahre später ernannte ihn Putin in Ermangelung einer Alternative erneut zum Gouverneur der Region. Doch die ihm von Boris Nemzow attestierte „politische Flexibilität“ (Titow wechselte 13 Mal die Partei, zuletzt wurde er Mitglied der Kremlfraktion „Einiges Russland“) half am Ende wenig bei den Konflikten mit den großen Staatskonzernen in seiner Region.

Machtkampf gegen Großkonzerne


Den Machtkampf gegen den Rüstungskonzern Rosoboronexport und dessen Tochterunternehmen Avtovaz verlor Titow. Seine Versuche, sich vom Kreml mit mehr Vollmachten ausstatten zu lassen, um die Kontrolle in seiner Region wiederzuerlangen, wurde Anfang August vom Chef der Präsidialadministration, Sergej Sobjanin, abgelehnt.

Der Rücktritt sei eine logische Folge der Ereignisse gewesen, meint der Politologe Wjatscheslaw Glasytschew. Er hoffe, dass es nun mit der Region wirtschaftlich wieder aufwärts gehe, sagte Glasytschew. Bezeichnend, dass mit Wladimir Artjakow ausgerechnet ein Manager des Automobilkonzerns Awtowas von Putin als Nachfolger Titows vorgeschlagen wurde.

Übrig bleiben regionale Diktatoren aus der Jelzin-Zeit


Mit Titow geht einer der letzten Gouverneure der gesamten Jelzin-Ära. Die meisten wurden durch loyale Kreml-Helfer ersetzt. Übrig geblieben sind nach den umfangreichen Kaderrochaden Putins faktisch nur noch die mehr oder minder autokratisch regierenden Präsidenten Murtasa Rachimow, Mintimer Schaimijew und Kirsan Iljumschinow.

Diese genießen nach wie vor das Vertrauen Putins, wohl auch deshalb, weil sie Siege der Kremlpartei und des Präsidenten bei den Wahlen garantieren können. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen holte Putin so sagenhafte 96 Prozent in Baschkortostan (übertroffen nur noch von Tschetschenien – 100 Prozent).

Schlechtes Wahlergebnis der Kremlpartei wird Titow angelastet


Titow hingegen galt als schlechter Wahlkämpfer für das „Einige Russland“. Bei den Regionalwahlen in Samara gab es zuletzt eine Schlappe für den Kremlblock, der nur unterdurchschnittliche 32 Prozent holte. Zudem verlor der Kremlkandidat die Bürgermeisterwahlen in der Millionenstadt.

Ähnliches soll sich bei den richtungsweisenden Wahlen 2007/2008 nicht wiederholen. Die Ablösung Titows ist daher auch aus Sicht des Kremls ein logischer Schritt. Titow wird allerdings weich fallen. Er soll nun Senator für das Gebiet Samara im Föderationsrat werden.

(ab/.rufo/Moskau)