Dienstag, 11.09.2012

Wechselberg – Öloligarch als Motor der Modernisierung

Viktor Wechselberg soll Skolkowo zum Erfolg führen (Foto: TV)
Moskau. Viktor Wechselberg gibt Gas: Bis Jahresende will er die Zahl der Firmen im Hightech-Städtchen Skolkowo auf 800 erhöhen. Der Milliardär soll Russland im Auftrag der Regierung zur Technologienation machen.
Der graue Bart und die hohe Stirn machen Viktor Wechselberg (alternative Schreibweisen: Vekselberg oder Wekselberg) älter als er eigentlich ist. Der Magnat ist Jahrgang 1957 und damit etwa im gleichen Alter wie die meisten seiner Milliardärskollegen. Und doch unterscheidet er sich von diesen – durch seine Vorliebe für alte Kunst (Fabergé-Eier) und moderne Technik.

Karrierebeginn in der Wissenschaft


Die Technikbegeisterung mag etwas damit zu tun haben, dass Wechselberg, ein studierter Mathematiker, in jungen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Labor für Pumpentechnik tätig war. Auch seine ersten Firmen, die er während der Perestroika gründete, waren im Forschungsbereich angesiedelt.

Die Renova-Holding, die er 1991 mit dem Exil-Russen Leonid Blawatnik gründete, verhalf ihm finanziell zum Durchbruch. Renova erwies sich schnell als eine der fortschrittlichsten Investmentfirmen in Russland. Blawatnik brachte, in den USA lebend, westliches Kapital und Know-how in die Firma ein, Wechselberg zeigte sich als effizienter Manager.

Aufstieg zum Rohstoffmagnaten


In den 90er Jahren stieg Wechselberg dann auch zum Rohstoffmagnaten auf. Er beteiligte sich an den dubiosen Privatisierungen in der Ölindustrie und an den knallharten Kämpfen um die Kontrolle im Aluminiumsektor. Der Sektor gilt als einer der blutigsten überhaupt in der russischen Rohstoffindustrie. Wechselberg war neben Oleg Deripaska einer der wenigen Gewinner, als sich die Nebelschleier der windigen Privatisierung lüfteten.

2007 fusionierten die beiden dann ihre Alu-Aktiva gemeinsam mit dem Schweizer Rohstoffhändler Glencore zu Rusal. Doch richtig glücklich wurde Wechselberg mit dieser Allianz nicht. Immer wieder kam es wegen Strategiefragen zu Streitigkeiten. Deripaska als Hauptaktionär setzte seine Interessen rücksichtslos durch. Als er einen Milliarden-Exportauftrag ohne Ausschreibung einfach Glencore zuschob und dabei das Veto Wechselbergs ignorierte, eskalierte der Streit: Wechselberg warf seinen Job als Aufsichtsratschef hin und hielt Deripaska Missmanagement und Missachtung des Aktionärsvertrags vor.

Zum Manager für Skolkowo berufen


Zu der Zeit war der Wahlschweizer ohnehin schon schwer mit dem Skolkowo-Projekt beschäftigt. Der damalige Präsident Dmitri Medwedew hatte ihn nicht nur wegen seiner Management-Qualitäten, sondern auch wegen verschiedener Hightech-Projekte der Renova-Gruppe auserkoren, das Vorzeigeprojekt der russischen Modernisierung zu leiten.

Für den Oligarchen ist das ein harter Job: Skolkowo gilt als Beamten-Idee mit all dem Bürokratenirrsinn, den das beinhaltet. Immer wieder muss Wechselberg ausländischen Investoren, aber auch jungen Start-up-Gründern die Bedeutung Skolkowos erklären: „Das ist kein Putin- oder Medwedew-Projekt. Das ist ein Russland-Projekt!”, wurde Wechselberg auf der Moskauer Digitalmesse DLD deutlich.

Skolkowo wächst


Nun zeigen sich die ersten Früchte der Arbeit. Große Partner wie IBM, Intel, SAP oder Microsoft errichten Entwicklungszentren in Russlands „Silicon Valley“ und die Zahl der kleinen Firmen ist in diesem Jahr rasant gestiegen. 600 sind es schon, 800 sollen es bis Jahresende sein.

Im kommenden Jahr beginnt der Bau des Technoparks und der Universität. Selbst trägt sich das Projekt allerdings noch lange nicht. Bis 2015 will der Staat aber 85 Mrd. Rubel (2,1 Mrd. Euro) dazuschießen. Wechselberg selbst investiert ebenfalls: Seine Schweizer Firmen Oerlikon und Sulzer sollen sich jedenfalls in Skolkowo ansiedeln. Wechselberg ist vom Erfolg überzeugt: „Das Skolkowo-Projekt ist kein Traum“, sagt er. Es sei die Basis für Russlands Aufstieg zum Eporteur von Hightech-Produkten, glaubt er.