Wohin gehts mit Lada? Avtovaz steht vor einer Reorganisation (Foto: Ballin/.rufo)
Mittwoch, 30.09.2009
Übernimmt Staatsbank VEB das Steuer bei Lada?
Moskau. Kann die Staatsbank VEB Lada auf den richtigen Weg bringen? Die Regierung will dem Autobauer Avtovaz keine weiteren Kredite geben und schlägt stattdessen vor, die Schulden in Aktien für die Kreditoren umzuwandeln.
Lada hat sich in der Schuldengrube festgefahren. Knapp 900 Mio. Euro kurzfristiger Schulden drücken den Autogiganten, dabei ist das zinslose Darlehen über eine halbe Milliarde Euro, das Premier Wladimir Putin dem Konzern erst im Frühjahr gewährt hat, noch gar nicht eingerechnet.
Finanzhilfe nötig
Avtovaz bittet daher erneut die Regierung um finanzielle Hilfe. Vize-Premier Igor Schuwalow muss nun entscheiden, ob Avtovaz einen Kredit über knapp 300 Mio. Euro bekommt, um die geplanten Kürzungen (ein Viertel der Belegschaft, d.h. 27.600 Mitarbeiter werden entlassen) einigermaßen sozial verträglich durchführen zu können.
Der Staat werde Finanzhilfe für Unternehmen „strikt mit ihrer weiteren Restrukturisierung verknüpfen“, erklärte nun Russlands Finanzminister Alexej Kudrin auf dem internationalen Investorenforum „Russland ruft“ in Moskau. Eine Reihe von Konzernen in der Rüstungs- und Autobranche befinden sich seinen Angaben nach in einer schweren finanziellen Lage. Als Gegenleistung für staatliche Hilfe rechne der Staat auch mit einer Erhöhung seines Anteils, sagte er.
Staatsbanken vom Gläubiger zu Aktionär
Für Avtovaz bedeute dies, dass einer der Kreditgeber zum Aktionär des Unternehmens werde erläuterte Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina die allgemein gehaltenen Äußerungen ihres Kollegen. Die größten Gläubiger von Avtovaz sind derzeit die staatlichen Banken VTB und Sberbank.
Freilich sind weder VTB noch Sberbank begeistert von der Idee, sich als Aktionäre bei einem defizitären und weitab ihrer Kernkompetenzen liegenden Konzern zu engagieren. Sberbank-Präsident German Gref erklärte unlängst in einem Interview, er lobbiiere staatliche Bürgschaften (immerhin im Wert von knapp 3 Mrd. Euro) für seine Klienten vor allem deshalb, damit er nicht in Verlegenheit komme, ihre Aktiva im Fall einer Pleite übernehmen zu müssen.
Neue Obligationen sollen in Aktien umwandelbar sein
Doch nun ist eine neue Idee aufgetaucht. Nach Angaben der Tageszeitung „Kommersant“ will Avtovaz Obligationen im Wert von 900 Mio. Euro herausgeben. Die Schuldscheine sollen alle von der staatlichen VEB aufgekauft werden. Später könnten diese Obligationen dann in Anteilsscheine umgewandelt werden.
Diese Art der Finanzierung würde den Anteil der bisherigen Teilhaber stark verwässern. Die drei größten Aktionäre bislang sind die Staatsholding Rostechnologii, die russische Investmentbank Troika-Dialog und der französische Autobauer Renault. Alle drei besitzen etwa 25 Prozent, der Rest der Aktien ist im Streubesitz.
Renault will Kontrolle bei Avtovaz behalten
„Wir begrüßen alle Maßnahmen der Regierung, die darauf abzielen, die Arbeit von Avtovaz zu stabilisieren – aber nicht auf Kosten einer Verwässerung des Anteils von Renault“, erklärte die Renault-Sprecherin in Russland, Oxana Nasarowa. Die Franzosen wollen ihre Sperrminorität an dem russischen Autobauer unter keinen Umständen aufgeben.
Die Haltung ist logisch, zieht man die Diskussionen um den Neuaufbau der russischen Autoindustrie mit Hilfe von Opel in Betracht. In den Überlegungen taucht auch immer wieder eine Allianz zwischen Opel und Avtovaz auf – Gedankenspiele, die dem direkten Opel-Konkurrenten Renault keineswegs gefallen dürften.
Doch ein Manager von Avtovaz teilte anonym mit, dass es trotzdem eine Möglichkeit für den Einstieg der VEB gebe: Demnach werden nur die Anteile von Rostechnologii und Troika-Dialog verwässert, während Renault auch nach der Neuemission der Papiere seinen Anteil behält. Bezahlen sollen die Franzosen, indem sie Lizenzen für den Bau des Modells Logan und Produktionsstätten für die Montage des Wagens zur Verfügung stellen.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)