Freitag, 26.07.2013

Aeroflot macht es auf die billige Tour

Aeroflot will eine Billigfluglinie an den Start schicken (Foto: Osokin/wp)
Moskau. Nun also doch. Nach vielem Hin und Her hat sich Aeroflot für die Gründung einer Billig-Airline entschieden. Der Start ist im kommenden Jahr geplant. Doch bis dahin sind noch einige Gesetzesänderungen nötig.
„Ausgehend von der Nachfrage nach einem solchen Beförderungsmodell in Russland hat der Aufsichtsrat die Schaffung einer Lowcost-Airline mit 100-prozentiger Beteiligung der Aeroflot als sinnvoll eingestuft“, heißt es in der Presseerklärung der Airline. Gut ein Jahr hat der Entscheidungsprozess gedauert. Am Ende war die Hoffnung, die Marktanteile - laut aktuellen Quartalszahlen 39 Prozent - weiter auszubauen, größer als die Angst, sich selbst Konkurrenz zu machen und Verluste zu erleiden.

Aeroflot verspricht einen Rabatt von 20 bis 40 Prozent auf die Tickets. Fluggäste müssen dafür einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen: Engere Sitzreihen, fehlende Bordverpflegung und einen Aufschlag für die Gepäckbeförderung – also all das, was Billigflieger im Westen auch auszeichnet. Zudem entfällt dann auch das bislang in Russland gesetzlich festgeschriebene Umtauschrecht für Tickets.

Gesetzänderungen nötig


Die Duma muss der Gesetzesänderung noch zustimmen. Zudem muss sie noch grünes Licht geben für die Arbeit ausländischer Piloten in russischen Fluggesellschaften. Präsident Wladimir Putin hatte bereits angekündigt, ein begrenztes Kontingent an Ausländern in Cockpit zuzulassen, um die Konkurrenz zu erhöhen.

Vom Tempo der Gesetzgeber hängt auch der Start des Billigfliegers ab. „Unter günstigen Bedingungen kann die Lowcost-Tochter 2014 ihre Arbeit aufnehmen“, teilte Aeroflot mit. Zunächst sollen die Millionenstädte im europäischen Teil Russlands miteinander verknüpft werden. Das Routennetz wird schrittweise ausgebaut, zunächst innerhalb Russlands, dann auch im Ausland.

Abfertigung am Boden ist teuer


Als Basisflughafen gilt bislang einer der drei großen Moskauer Flughäfen. Allerdings haben sich auch einige Städte im Umland als Alternative angeboten. Die Abfertigung ist in Russland nämlich ein Problem für Billiganbieter. Zumeist dauert es lang und ist teuer.

Scheremetjewo beispielsweise liegt einer Studie des Consulting-Unternehmens Leigh Fischer zufolge bei den Kosten weltweit auf Rang zwölf. Asiatische Großflughäfen wie Kuala Lumpur oder Hongkong kosten nur ein Viertel – und bieten trotzdem mehr Service.

Zwei Billig-Airlines sind daher auch schon in Russland gescheitert. Sky Express und Avianova erlitten mit dem Modell eine Bruchlandung. Auch Aeroflot muss sich laut Experten zunächst auf Verluste einrichten. Doch als größte russische Fluglinie kann Aeroflot die Turbulenzen zum Startbeginn wohl besser als andere verkraften.