Montag, 18.03.2013

Arme Russen: Brüssels Zypern-Hilfe teuer für Moskau

Zypern als Anlageparadies für Russen, ob bei Firmen oder Immobilien (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Russland, vielmehr russische Oligarchen, könnten die größten Verlierer bei der geplanten Rettung Zyperns werden. Sie haften mit Milliarden, um die bei Offshore-Firmen so beliebte Insel vor dem Untergang zu retten.
Die Euro-Gruppe hat Zypern die Pistole auf die Brust gesetzt: Für die Freigabe eines milliardenschweren Rettungskredits muss die zypriotische Regierung u.a. die Anleger auf der Mittelmeerinsel teilweise enteignen. Wer ein Sparkonto bei einer Bank in Nikosia hat, muss sich an der Rettung Zyperns beteiligen.

Ein Zehntel bei Oligarchen-Konten weg


Konten, auf denen weniger als 100.000 Euro lagern, werden mit einer Zwangsabgabe von 6,75 Prozent belegt. Bei Beträgen über dieser Grenze sind es gar 9,9 Prozent. Das heißt, bis zu einem Zehntel der Spareinlagen wird einfach konfisziert.

Die Forderung begründet sich auf dem überdimensionalen Anteil des Bankensektors an der Gesamtwirtschaft Zyperns: Laut der Zentralbank des Landes lagerten Ende Januar 68,4 Mrd. Euro auf den Konten zyprischer Banken, das entspricht mehr als dem Dreifachen des BIP.

Zypern als Anlageparadies für Oligarchen und Mafiosi


Laut der Ratingagentur Moodys stammen 19 Mrd. USD (rund 15 Mrd. Euro) direkt davon aus Russland. Eben diese Gelder waren ein Grund für den Streit zwischen der EU und Zypern. Als „Geldwäsche-Paradies“ für russische Oligarchen und Mafiosi habe die Insel in den letzten Jahren fungiert, so der Vorwurf aus einigen EU-Ländern, darunter auch von Politikern aus Deutschland.

Insgesamt rechnen Experten damit, dass russische Investoren zwei bis 3,5 Mrd. Euro durch die Neuregelung verlieren. Denn einige von der Financial Times befragte Experten schätzen den Umfang der russischen Spareinlagen auf Zypern sogar auf bis zu 35 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich möglicherweise nicht um direkt Russland zugeordneten Anlagen, sondern auch um einen Teil der 42,9 Mrd. Euro, die zypriotische „Residenten“ halten.

Moskau spricht von Enteignung


Die Reaktion in Moskau ist dementsprechend erbost: „Das ist Enteignung von privatem Eigentum, sei es auch nur eine Teilenteignung. Und ich denke, dass Zypern danach seine Rolle als Finanzzentrum, die es bislang gespielt hat, verliert. Das Vertrauen der Investoren zu den Banken und dem Staat Zypern wird auf lange Jahre verloren sein, denn das Land lebte und lebt ja großteils durch Finanzdienstleistungen“, erregte sich der Chef der Bank „KIT Finans“ Andrej Degtjarew.

Aus Bankenkreisen heißt es bereits, ein Teil der Investitionen werde nun so schnell wie möglich abgezogen und nach Asien oder sogar in den Nahen Osten verlagert.

Putin: „Ungerecht, unprofessionell, gefährlich“


Selbst die politische Führung in Moskau meldet sich zu Wort. Präsident Wladimir Putin kritisierte die geplante Abgabe auf Bankenkonten als „ungerecht, unprofessionell und gefährlich“. Der Kreml hatte schon in der Vergangenheit seinen Offshore-Oligarchen unter die Arme gegriffen und Zypern einen 2,5 Milliarden-Euro-Kredit erst gewährt und dann unter vorteilhaften Bedingungen verlängert.

Doch die bisherigen Anstrengungen Moskaus sind nicht genug, um Zypern vor dem Staatsbankrott zu retten. Die Verluste allein der russischen Banken bei einem solchen Szenario schätzt Moodys auf 43 – 53 Mrd. USD. Die Verflechtung der russischen und zypriotischen Wirtschaft wird schon anhand des Kreditumfangs deutlich. Russische Banken haben über 40 Mrd. USD Kredit an zypriotische Tochterfirmen russischer Unternehmen gegeben.

Der Staatsbankrott droht, sollte das Parlament auf Zypern dem umstrittenen Hilfspaket aus Brüssel nicht zustimmen. Es sei denn, Moskau springt dann als Retter in der Not ein. Bereits am Mittwoch will zumindest Zyperns Finanzminister Michalis Sarris in Moskau über einen neuen Kredit verhandeln.