Freitag, 19.03.2010

Atomprogramm 2: Putin will soviele AKWs bauen wie UdSSR

Da das litauische Atomkraftwerk Ignalina abgeschaltet wurde, will nun Russland Atomstrom für den Ostseeraum produzieren (Foto: Archiv/.rufo)
Rostow. Bei der Inbetriebnahme eines neuen AKW kündigt Wladimir Putin an, in den nächsten Jahren 26 neue Atomreaktoren zu bauen. Der Anteil der Atomenergie soll auf 20-30 % steigen. Als erstes wird das neue AKW Kaliningrad gebaut.
Rostow. Bei der Inbetriebnahme eines neuen AKW kündigt Wladimir Putin an, in den nächsten Jahren 26 neue Atomreaktoren zu bauen. Der Anteil der Atomenergie soll auf 20-30 % steigen. Als erstes wird das neue AKW Kaliningrad gebaut.

Nach der feierlichen Eröffnung des zweiten Reaktorblocks im Atomkraftwerk bei Rostow am Don erläuterte Premierminister Putin die Ziele der grandiosen Atomenergie-Pläne. Es sollen in den nächsten 10 Jahren, so Putin, fast so viele neue Atomreaktoren gebaut werden, wie während der gesamten Sowjetzeit. In der UdSSR gingen 30 Kernreaktoren ans Netz, jetzt sollen 26 errichtet werden.

Putin: Atompläne müssen konjunkturunabhängig sein


Im Bau sind gegenwärtig bereits 10 neue Reaktorblöcke, darunter auch das weltweit erste schwimmende AKW, getauft auf den Namen "Akademik Lomonossow".

Da es sich um eine strategische Aufgabe handele, müsse das Atomprogramm unabhängig von Krise und Konjunktur realisiert werden, sagte Putin.

Alleine für das Jahr 2010 sind im russischen Staatshaushalt 68 Milliarden Rubel (etwa 2,5 Milliarden Euro) für das Atomprogramm vorgesehen, insgesamt sind für die nächsten Jahre jetzt schon 175 Milliarden reserviert. Ausserdem sollen ausländische Privatinvestoren gewonnen werden.

Ab 2011 Bau des Ostsee-AKWs bei Kaliningrad - Atomstrom für Deutschland


Als erstes soll nach diesem Modell das neue AKW Kaliningrad realisiert werden, wo nach den Regierungsplänen der Anteil an ausländischem Kapital bis zu 49 % betragen soll. Strom soll per Seekabel nach Deutschland und Skandinavien exportiert werden, so jedenfalls der Plan.

Das Fundament des "Baltischen AKWs" solle schon im Februar 2011 gegossen werden, kündigt Direktor Anatoli Koslow an.

Die AKW-Pläne für Kaliningrad hatten in dem Gebiet bereits Proteste ausgelöst, die dann aber versandeten.

Wachstumsbranche AKW-Export


Mindestens ebenso wichtig, wie die Atomenergiepläne für Russland sind im Regierungskonzept aber auch die Pläne, russische Reaktoren in alle Welt zu exportieren. Kurz vor der Inbetriebnahme steht seit Jahren das iranische AKW Busher. In China werden der 3. und 4. Rekatorblock des AKW Tjanwan fertiggestellt.

Alleine in Indien sollen von der Russischen Atombehörde RosAtom 12 neue Reaktoren gebaut werden, von denen zwei mit jeweils 1 Gigawatt Leistung bereits im Bau sind.

Wie RosAtom-Chef Sergej Kirijenko mitteilt, stiegen die Einnahmen der Atombehörde aus dem Exportgeschäft im Jahre 2009 um 37 % und beliefen sich auf 518 Milliarden Rubel (ca 13 Milliarden Euro).