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Weißrussland muss um seine Vorzugsstellung beim Anschluss an russische Gasleitungen fürchten (foto: tv/rufo)
Weißrussland muss um seine Vorzugsstellung beim Anschluss an russische Gasleitungen fürchten (foto: tv/rufo)
Donnerstag, 01.06.2006

Auch Weißrussland soll russisches Gas teuer bezahlen

St. Petersburg. In Moskau gehen Verhandlungen mit Weißrussland über russische Gaslieferungen in die entscheidende Phase. Eines ist klar: Den früheren Freundschaftspreis wird es nicht mehr geben.

Bisher vergütet die Republik Belarus die russischen Lieferungen nur mit 46,7 Dollar pro 1.000 Kubikmeter in bar – während die westeuropäischen Abnehmer im Schnitt etwa 250 Dollar berappen müssen. Die verhältnismäßig niedrigen Gaspreise für Weißrussland sind allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Führung in Minsk – im Gegensatz zur ukrainischen Regierung - einer Verpachtung der Transit-Pipelines an Gazprom zugestimmt hat.

Zwischen „dreimal mehr“ und „200 Dollar“ liegen nun die von der russischen Seite öffentlich gemachten Preisforderungen. Lukaschenko bot von sich aus zunächst nur 52 Dollar. Darüber verhandeln heute in Moskau Gazprom-Chef Alexej Miller mit dem weißrussischen Energieminister Alexander Oserez.

Gasprom dreht in den GUS-Staaten an der Preisschraube


Der russische Gasmonopolist Gazprom hat in diesem Jahr mit Rückendeckung des Kreml bereits deutliche Preiserhöhungen für frühere Vorzugskunden wie die Ukraine, Moldawien und Armenien durchgesetzt.

Angesichts der weltweit deutlich gestiegenen Energiepreise bietet Gazprom seinen Kunden dabei die Wahl zwischen Knüppel und Peitsche: Entweder gilt es das Gas zu weltmarktorientierten Tarifen abzukaufen – oder der russische Konzern bekommt die Kontrolle über die Gastransport- und Verteilungsnetze des betreffenden Landes zugesprochen. Minsk möchte das – wie alle anderen Importeure russischen Gases – gerne vermeiden.

Zuckerbrot und Extrawurst für Lukaschenko wird gestrichen


Zuckerbrote soll es nun nicht einmal mehr für Weißrussland geben - die langfristigen Pläne für einen russisch-weißrussischen Unionsstaat hin und die russische Protektion für den im Westen übel verfemten Minsker Diktator Alexander Lukaschenko her.

Bei Russland-Aktuell
• Dreht Russland Europa den Gashahn ab? (21.04.2006)
• Gazprom verdreifacht Gaspreis für Weißrussland (05.04.2006)
• Russland wird für China zum Energie-Hoflieferanten (22.03.2006)
• Ukraine unterschreibt Liefervertrag für Gas (03.02.2006)
• Ukraine borgt sich wieder Gas von Russland und Europa (24.01.2006)
Nachdem Wladimir Putin unlängst erklärt hatte, Russland könne es sich nicht leisten, fremde Volkswirtschaften zu subventionieren, war klar, dass die Schonfrist für Lukaschenko vorbei ist. Dessen Staat verdiente bislang nicht schlecht daran, dass er das billige Gas aus Russland etwa für den doppelten Preis an die Endverbraucher weiterverkaufte.

Gleichzeitig demonstriert Moskau auf diese Weise, dass es beim Export-Gaspreis keine großen Unterschiede zwischen „Freund“ und „Feind“ mehr machen möchte. Das schließt allerdings nicht aus, dass mittels Fristen, Liefermengen und Übergangsregelungen nach wie vor mit den Gaspipelines Politik gemacht wird.

Droht Handelskrieg zwischen Minsk und Moskau?


Weißrussland versucht unterdessen auf seine Weise Druck auf die russische Seite auszuüben: An den Grenzen halten weißrussische Zöllner nun plötzlich russische Lastwagen auf, die im Transit Akohol und Zigaretten in die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad bringen sollen. Den Transporteuren wird mit einer Beschlagnahme der Ware gedroht – weil sie vorher nie angewandte Dekrete Lukaschenkos über Zoll-Garantiezahlungen nicht befolgt haben.

Lkw-Verkehr nach Kaliningrad wird behindert


Die Angaben über die Zahl der festgehaltenen Lkw schwanken je nach Quelle zwischen 9 und 200. Die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ spricht dennoch bereits von einem drohenden Handelskrieg zwischen den beiden slawischen Nachbarstaaten.

Sollte sich der Konflikt tatsächlich verschärfen, könnten russische staatliche Stellen zunächst auf den Ankauf von weißrussischen Lkw und Traktoren verzichten, was die dortige Industrie schmerzhaft treffen würde. Darüber hinaus importiert Russland aus dem Nachbarland viel Zucker, Medikamente. Lebensmittel und Fernsehgeräte.

Weißrussland könnte allerdings im Falle eines Handelskrieges nicht nur den Haupttransitweg nach Kaliningrad verengen oder abschneiden, sondern auch die Überfluggebühren und die Preise für den Gütertranport auf Schiene und Straße zwischen Russland und der EU deutlich heraufschrauben.

(ld/.rufo)


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