Dienstag, 26.05.2009

BaWü-Tage in Moskau: „Große Delegation, große Delle“

Baden-Würtembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister bleibt Optimist (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Über 200 Unternehmer aus Baden Württemberg sind in Moskau, um neue Möglichkeiten der Kooperation auszuloten. Sie erhoffen sich bei den „Wirtschaftstagen“ auch konkrete Abschlüsse, sagt Wirtschaftsminister Pfister zu R-A.

Die Wirtschaftstage Baden Württemberg in Moskau sind am Montag gestartet und dauern noch bis zum 28. Mai. Auf dem Programm stehen ein Wirtschafts- und ein Wissenschaftsforum, eine Standortpräsentation und eine Ausstellung. Abgerundet wird die Veranstaltung durch zahlreiche Kulturveranstaltungen.

Große Beteiligung an den Wirtschaftstagen


Baden Württemberg wolle sich eben nicht nur als Industriestandort, sondern auch als Tourismusgebiet und Kulturstätte vorstellen, erklärte Baden Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Beim Empfang am Montagabend waren 700 Gäste dabei.

Wie wichtig den Südwestdeutschen der Standort Moskau ist, zeigt die Tatsache, dass trotz der Krise etwa 230 Unternehmer in die russische Hauptstadt gekommen sind – das ist Rekord. Angeführt wird die Delegation von Ministerpräsident Günther Oettinger, auch dies ein Indiz für den Wert der Veranstaltung.

2009 „eine ordentliche Delle“ in den Handelsbeziehungen


Nach Angaben von Pfister lag das Handelsvolumen zwischen Baden Württemberg und Moskau im vergangenen Jahr bei etwa 7,5 Mrd. Euro. „2009 wird es eine ordentliche Delle geben“, räumte er allerdings ein. Gegenüber Russland-Aktuell bezifferte er den Rückgang auf etwa 20 Prozent. „Das ist aber nicht dramatisch“, versicherte er.

Damit läge das Handelsvolumen in etwa auf dem Niveau von 2007, worauf „man aufbauen“ könne, erklärte der Minister. Wichtig sei nur, dass keiner der Beteiligten jetzt in Protektionismus verfalle – immerhin sei die Talsohle der Rezession mittlerweile erreicht. Die Kapitalflucht in Russland sei gestoppt, der Rubel stabilisiere sich, sagte Pfister.

Rohstoffe gegen Technologien


Die Kooperation sei für beide Seiten strategisch wichtig; Russland habe die Rohstoffe, Baden Württemberg das Knowhow, um vor allem im Bereich Automotive, Maschinenbau, Elektro- und Medizintechnik sowie bei Umwelttechnologien Russland bei seiner Weiterentwicklung zu helfen, sagte Pfister.

Der Minister hofft in Moskau daher auf „konkrete Geschäftsabschlüsse“, in einem Pressegespräch am Dienstag wollte er jedoch diesbezüglich noch keine Prognosen abgeben.

Autozulieferer Hans-Eberhard Koch, Wirtschaftsminister Ernst Pfister und Manfred Seitz (Aluplast) (v.l.n.r.) (Foto: Ballin/.rufo)

Probleme und Chancen auf dem russischen Markt


Unternehmer aus Baden Württemberg sehen derzeit die größten Schwierigkeiten für den russischen Markt in der mangelnden Finanzierung russischer Unternehmen, die Probleme haben, Kredite zu bekommen. Manfred Seitz, Geschäftsführer von Aluplast hofft allerdings damit auf einen Wettbewerbsvorteil in Russland.

„Im Unkreis von 400 – 500 Kilometern um Moskau gibt es 800 Fensterbau-Unternehmen. Nach der Krise wird wohl die Hälfte verschwunden sein“, schätzt er. Aluplast produziert bereits in Russland, im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Betrieb einen Umsatz von 20 Mio. Euro.

„Unsere Antwort auf die Krise ist die Erweiterung der Wertschöpfung in Russland“, erklärt auch Hans-Eberhard Koch, Geschäftsführer der Witzenmann GmbH. Seit 2003 gibt es ein Tochterunternehmen des Metallverarbeiters und Automobilzulieferers in Ufa, der Hauptstadt der Teilrepublik Baschkirien.

Die Tochterfirma wird an Bedeutung zunehmen, denn die deutschen Exporte leiden nach Angaben Kochs unter dem Rückzug vieler Versicherer aus dem Exportversicherungsgeschäft. Wenn Export von Fertigwaren nicht geht, wird die Produktion exportiert.