Donnerstag, 08.11.2007

Daimler gründet Bank in Moskau, Produktion geplant

Jürgen Walker von Daimler blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: ballin.rufo
Moskau. Die Daimler AG hat nach einem Jahr Vorbereitungszeit ihre eigene Bank in Russland offiziell eröffnet. Die DaimlerChrysler Bank Rus mit Sitz in Moskau soll dem Autobauer bei der Absatzsteigerung helfen.
Daimler verzeichnet beim Verkauf seiner Fahrzeuge einen immensen Zuwachs in Russland. Bei den PKW konnte das Gesamtergebnis 2006 (9.600 Mercedes-Fahrzeuge) bereits im Oktober 2007 deutlich übertroffen werden (13.700). Die DaimlerChrysler Bank Rus (nach der Zustimmung der Zentralbank soll sie später Mercedes-Benz Bank Rus heißen) soll dieses Wachstum durch Finanzierungsangebote noch einmal stimulieren.

Dazu bietet sie Mercedes-Kunden (und bis Jahresende auch Käufern von Chrysler-Modellen) günstige Autokredite an. Mit einer Anzahlung von mindestens zehn Prozent und einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren bei relativ niedrigen Zinsen sieht sich das Unternehmen gut im Wettbewerb aufgestellt.

Richtiger Einstiegszeitpunkt in dynamischen Markt

„Der Zeitpunkt für den Einstieg in den schnell wachsenden russischen Fahrzeugmarkt ist für uns genau der richtige“, erklärte Jürgen Walker, Vorstandsvorsitzender der Daimler Financial Services AG bei einer Pressekonferenz in Moskau.

In Russland, dem weltweit achtgrößten Automobilmarkt, werden in diesem Jahr voraussichtlich 2,1 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen werden. Walker rechnet damit, dass der russische Markt bis 2015 die Größe des deutschen Automarkts erreicht.

Walker lobte das Entgegenkommen der russischen Zentralbank bei der Registrierung. Innerhalb von neun Monaten sei die Zulassung erfolgt. „Dies ist ein Zeitraum, der sich im internationalen Vergleich sehen lassen kann“, betonte Walker, der mittelfristig mit einem Portfolio-Volumen von 400 Mio. Euro pro Jahr rechnet.

Erfahrungen bei der Finanzierung von Mercedes-Nutzfahrzeugen
Der Finanzdienstleister „Mercedes Benz Financial Services“, der bereits ab 1999 im russischen Markt die Finanzierung von Mercedes-Nutzfahrzeugen für Gewerbetreibende organisiert, rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von 80 Mio. Euro. Zukünftig sollen beide Organisationen unter einem Dach, wenn auch juristisch weiterhin getrennt ihre Dienste den Mercedes-Kunden anbieten.

„Wir versprechen uns einen gewaltigen Absatzschub“, erklärte Jürgen Sauer, Chef der Daimler-Vertretung in Russland. Er betonte, dass bereits jetzt die Nachfrage sehr hoch sei. Insbesondere bei den LKW komme die Produktion in Deutschland nicht mehr nach, den Bedarf zu decken.

Aufbau einer Mercedes-Produktion in Russland geplant
Daher sei der Aufbau einer Produktionsstätte für Nutzfahrzeuge in Russland „so bald wie möglich“ geplant, bestätigte Sauer auf Anfrage von Russland-Aktuell. Eine Entscheidung über den Standort könnte schon bis Anfang nächsten Jahres fallen. Nach Angaben Sauers soll er im europäischen Teil Russlands, „nicht weit von Moskau entfernt“, liegen, weil dort der Großteil der Fahrzeuge abgesetzt wird.

In der russischen Presse wird vor allem über eine Mercedes-Produktion in Nischni Nowgorod spekuliert. In dem 400 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Gebiet wird u.a. auch die russische Automarke Wolga produziert. Fachkräfte wären also ausreichend vorhanden, zumal Mercedes überlegt, die Montage später zu einer vollwertigen Produktion auszubauen.

(ab/.rufo/Moskau)