Freitag, 04.09.2015

Erweiterung der Ostseepipeline vertraglich fixiert

Seit 2011 liefert Russland bereits über zwei Stränge durch die Ostsee Gas direkt nach Deutschland (Foto: Archiv/.rufo)
Moskau. Nord Stream wird verdoppelt. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichnete Gazprom mit den deutschen Konzernen E.on und Wintershall, der österreichischen OMV, der französischen Engie und dem holländischen Ölriesen Shell.
Die Ostseepipeline beginnt am Stillen Ozean. Dort jedenfalls, auf dem Eastern Economic Forum in Wladiwostok, wurde der Grundstein für die Erweiterung der Gasleitung gelegt: Gazprom hat mit alten (E.on, Wintershall und Engie, das beim ersten Projekt noch als GdF Suez fungierte) und neuen Partnern (Shell und OMV) eine bindende Aktionärsvereinbarung über den Start von Nord Stream 2 abgeschlossen.

Gazprom behält die Kontrolle


Gazprom behält die Mehrheit (51 Prozent) an dem Projekt, alle anderen Partner bekommen zehn Prozent außer der französische Energieversorger Engie, der sich mit neun Prozent begnügen muss. Das teilte der Vorstandschef der Nord Stream AG, Matthias Warnig, in Wladiwostok mit.

Vorgesehen ist der Bau von zwei weiteren Röhren vom nordwestrussischen Wyborg bis nach Lubmin nahe Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Der Streckenverlauf wird dem der schon bestehenden Ostseepipeline gleichen, ebenso die Kapazität: 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr.

Zehn Milliarden Euro nötig


Allerdings wird das Projekt Expertenschätzungen nach mit zehn Milliarden Euro teurer als die ersten zwei Röhren (7,4 Mrd. Euro). 70 Prozent der Summe werden über das Instrument der Projektfinanzierung aufgebracht. Beide Stränge sollen Ende 2019 in Betrieb gehen.

Zum gleichen Zeitpunkt wollte Russland eigentlich die Ukraine als Gastransitland aufgeben. Gazprom-Chef Alexej Miller dementierte allerdings nun einen Zusammenhang: Über Nord Stream 2 sollen nur Lieferungen für neue Gasverträge abgewickelt werden, sagte er. Die Leitung werde nicht gebaut, um auf den Transit über die Ukraine einzustellen.

Gasimport steigt nur wenig


Andererseits geht Russland in seiner Energiestrategie davon aus, dass der Gasimport Europas aus Russland in den nächsten Jahren nicht signifikant steigen wird. Der Moskauer Prognose nach beläuft sich der russische Gasexport nach Europa im Jahr 2035 auf 175 Milliarden Kubikmeter – das sind 15 Milliarden Kubikmeter mehr als 2014.

Das deutet darauf hin, dass Gazprom Lieferströme umleiten muss. Ein weiteres Indiz dafür ist der Einstieg von OMV, dessen mit langjähriger Russlanderfahrung ausgestatteter Chef Rainer Seele den Schritt damit begründete, den bestehenden Gas-Hub in Zentraleuropa auszubauen. Derzeit wird Österreich vor allem über die Ukraine-Pipeline mit russischem Gas versorgt.