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Strom aus Gas oder Atomkraft, heißt die Frage für Kaliningrad. Foto: www.newsru.com
Strom aus Gas oder Atomkraft, heißt die Frage für Kaliningrad. Foto: www.newsru.com
Donnerstag, 07.10.2004

Exklave Kaliningrad: Energieabhängigkeit ade?

Kaliningrad. Seit 14 Jahren gibt es die Pläne, seit 13 Jahren eine Baustelle, und am 1. November 2005 soll es dann endlich soweit sein: Der erste Block des neuen Kaliningrader Kraftwerkes „TEZ-2“ soll in Betrieb genommen werden. Die Bauarbeiten verlaufen jedenfalls planmäßig, wie Anatoli Tschubais, Vorstandsvorsitzender des russischen Strommonopolisten RAO EES, bei einem Kurzbesuch in Kaliningrad bekannt gab.

RAO EES ist Hauptinvestor des Kraftwerkbaus, dessen Gesamtkosten auf rund 400 Millionen US-Dollar veranschlagt werden. Zu einem geringeren Anteil wird das Projekt aus Mitteln des „Föderalen Programms zur Entwicklung des Kaliningrader Gebietes bis 2010“ finanziert.

Vom Stromimporteur zum -exporteur
Gegenwärtig ist die Exklave noch zu fast 100 Prozent von Stromimporten abhängig. Die Elektrizität stammt dabei zum einen aus dem bei St. Petersburg gelegenen Atomkraftwerk „Sosnowy Bor“, wobei ein Transit durch Weißrussland und Litauen notwendig wird. Zum anderen wird Strom aus dem litauischen Atomkraftwerk Ignalina eingekauft.

Diese Situation soll sich grundlegend ändern. „TEZ-2“ ist mit einer Erzeugungsleistung von 900 Megawatt (zwei Blöcke a 450 Megawatt) geplant. Nach Beendigung aller Bauarbeiten (geplant für das Jahr 2010) wird das Kraftwerk einerseits in der Lage sein, den gesamten Energiebedarf der Exklave zu decken und zudem noch Strom in die Nachbarländer exportieren können.

Scheinbare Erfolge
Von offizieller Seite wird die zu erwartende Unabhängigkeit in der Energieversorgung als wichtiger Erfolg angesehen, gilt doch das Verhältnis zu Litauen – insbesondere in Bezug auf Transitfragen – als gespannt. Doch ob sich die Exklave aus ihrer Energieabhängigkeit wirklich befreien kann, ist fraglich.

Denn „TEZ-2“ arbeitet auf der Grundlage von Erdgas. Wenn die Exklave vollständig auf die überregionale Stromzufuhr verzichtet und die eigene Stromerzeugung auf Erdgasbasis erfolgt, wird sie umso stärker von Erdgaslieferungen abhängig. Die Erdgaszufuhr erfolgt über die Pipeline Minsk-Vilnius-Kaliningrad – der Energietransit über Litauen bleibt also auch in Zukunft unumgänglich.

Entweder Strom oder Gas
Ein weiteres Problem bleibt die ausreichende Bereitstellung von Erdgas. Für die kommenden Jahre kündigte Gasprom für die Exklave Lieferungen in Höhe von 1,05 Milliarden Kubikmetern pro Jahr an. Der jährliche Verbrauch in Kaliningrad liegt gegenwärtig bei rund 650 Millionen Kubikmetern. Der nächstes Jahr in Betrieb gehende Kraftwerksblock benötigt bei voller Auslastung 600 Millionen Kubikmeter. Bleibt ein fehlender Differenzbetrag von 200 Millionen Kubikmetern.

Mit Verweis auf die vorhandenen technischen Möglichkeiten schließt Gasprom eine Erhöhung der Gaslieferungen bislang aus. Falls sich daran nichts ändert, bleibt die Frage, wer ab 1. November 2005 ohne Gas bleiben wird: Das neue Kraftwerk oder die Kaliningrader Bevölkerung. (jm/.rufo)



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