Donnerstag, 05.10.2006

Glücksspielreform: Vier Las Vegas für Russland

Nichts geht mehr für Russlands Casinos? (Foto: Poljakow/.rufo)
Moskau. Das Glücksspielbusiness in Russland steht vor einer umfassenden Reform. Die derzeit wuchernde Branche soll in vier Reservate eingesperrt werden. Von der Idee eines Las Vegas a la russe sind nicht alle überzeugt.
Das Gesetzesprojekt stammt von Präsident Putin persönlich. Nach Informationen der Tageszeitung „Kommersant“ ist es in zwei Etappen gegliedert. Bis Juli 2007 sollen alle kleinen „Spielhöllen“, in denen weniger als 50 „einarmige Banditen“ stehen, verboten werden. Danach werden auch die großen Casinos weggesperrt.

Kaliningrad und Sibirien als russische Las Vegas?


Das Gesetz sieht bis 2009 es die Schaffung von vier größeren Casino-Standorten vor – in allen übrigen Regionen soll Glücksspiel verboten werden. Zwei der russischen „Las Vegas“-Versionen liegen in Sibirien und im Fernen Osten, der Rest soll im europäischen Russland seinen Platz finden.

Offiziell gibt es noch keinen Beschluss über die künftigen Standorte. Allerdings sollen sich neben dem Moskauer Vorort Ramenskoje auch Kaliningrad und Iwanowo um den Status bewerben. Außerdem will auch die russische Hauptstadt selbst das lukrative Business nicht ganz verlieren – der im Süden Moskaus gelegene Stadtteil Nagatino ist ebenfalls als Standort im Gespräch.

Dabei werden Ramenskoje derzeit die besten Chancen eingeräumt. Der Gouverneur des Moskauer Umlandes, der Afghanistan-General Boris Gromow, präsentierte am Mittwoch zumindest schon einmal einen im Wert von zwei Mrd. USD frisch erbauten Casino-Komplex in Ramenskoje als zukünftiges Reservat der Glücksspieler. Die Lobbyisten dieses Zentrums scheinen somit gute Arbeit geleistet zu haben.

Polizei geht gegen Georgier im Glücksspielbusiness vor


In Moskau hingegen werden derzeit mehr Casinos geschlossen als neu eröffnet. Innerhalb weniger Tage wurde das dritte Etablissement vom Innenministerium dicht gemacht. Der Vorwurf lautet jeweils auf Steuerhinterziehung. Pikant dabei ist allerdings der Fakt, dass alle drei Einrichtungen georgischen Geschäftsmännern gehören. Die Schließungen werden daher von den russischen Medien eher als politische Vergeltungsmaßnahme Moskaus im Kampf gegen Tiflis gewertet denn als Transparenzmaßnahme im undurchsichtigen Glücksspielgeschäft.

Für die Georgier ist das Spiel somit jetzt schon aus. Doch auch für das russische Spiel-Business könnte es schon bald heißen: „Rien ne va plus“. Derzeit werden in Russlands Spielsälen 5,5 Mrd. USD pro Jahr umgesetzt. Doch die Verlegung der Glücksspiele nach Sibirien sei gleichbedeutend mit dem Tod des Business, befürchtet ein Informant der Tageszeitung „Kommersant“ aus dem Sektor.

Untergang oder Illegalität der Branche vorausgesagt


„Die Verlegung der Spielzonen nach Sibirien und in andere unwirtliche Territorien ist gleichbedeutend mit ihrem Verbot. Alle werden jetzt versuchen, Spielautomaten zu verkaufen. Schon jetzt werden sie in Moskau umsonst abgegeben, obwohl ihr reeller Preis zwischen 3.000 - 4.000 USD liegt.“

Der Umzug von Casinos ist teuer und schwer zu realisieren, wissen auch andere Branchenkenner. Nach der zu erwartenden Zustimmung des russischen Parlaments zum Gesetz steht die Glücksspiel-Industrie somit vor ernsten Problemen.

Freilich sehen deshalb noch lange nicht alle den Untergang des Spielbusiness voraus, sondern lediglich das Abwandern der Branche in die Illegalität. „Natürlich, wird der Glücksspielmarkt nirgendwohin auswandern, er geht nur in den Untergrund. Es wird eine Menge geben. Das Business in legales Fahrwasser zurück zu holen, ist wesentlich schwerer“, glaubt Boris Belozerkowski, Präsident der Glücksspielvereinigung „Unikum“.

(ab/.rufo)