Donnerstag, 08.09.2005

IT-Branche: Neue Entwicklungen, alte Probleme

Programmierer gesucht in Russland (Foto: Djatschkow/.rufo)
Moskau. Die Jahresbilanz der russischen Softwarehersteller fällt überwiegend positiv aus. Starkes Wachstum und Gewinnung neuer Märkte bestimmten das Jahr. Problematisch bleiben aber „Kaderhunger“ und Steuerfragen.
Nach Schätzungen der Softwarehersteller-Vereinigung Russoft wird der Umsatz der Branche in diesem Jahr um etwa 30 Prozent steigen und damit die Marke von einer Mrd. USD (800 Mio. Euro) erreichen. Während die größten Firmen bereits Umsätze zwischen 20 Ц 40 Mio. USD (16 -32 Mio. Euro) machen, liegt der Umsatz der meisten der etwa 500 IT-Gesellschaften deutlich unter einer Million USD.

Export nach Deutschland 15 Prozent des Gesamtexports

Hauptabsatzmärkte sind die USA, Deutschland und Skandinavien. Nach Angaben von Swetlana Wronskaja vom Systemintegrator Reksoft macht der Export nach Deutschland etwa 15 Prozent des Gesamtmarktes (520 Ц 560 Mio. Euro) aus.

Die beeindruckenden Umsatzzahlen bedeuten allerdings noch nicht auch hohe Gewinne für die Unternehmen. Viele Gesellschaften sind noch in der Verlustzone. Größter Ausgabenfaktor sind die Personalkosten. Sie machen über 60 Prozent der Ausgaben der meisten IT-Unternehmen aus, teilte Wronskaja mit.

Nachwuchs ist ein Hauptproblem

Eine der Ursachen ist der „Kaderhunger“ der Branche. IT-Firmen haben zunehmende Schwierigkeiten, Nachwuchsprogrammierer zu finden. Dadurch seien die Gehälter z.B. in St. Petersburg im letzten Jahr um 50 Prozent gestiegen, sagte Oleg Bjachow, der im Telekom- und IT-Ministerium die Strategieabteilung für den Aufbau einer Informationsgesellschaft leitet.

Andererseits ist auch die Steuerlast für die Unternehmen fühlbar. Zwar sind die 26 Prozent Lohnsteuern für deutsche Verhältnisse günstig, doch im Vergleich zur direkten Konkurrenz aus Indien haben russische IT-Firmen einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Russoft fordert daher, die Lohnsteuern für die finanziell noch recht schwache IT-Branche zu senken. Im Juli beschloss die Regierung, neue Steuerregelungen für die Branche zu erarbeiten, das Konzept soll im Oktober vorgestellt werden.

Durch Erleichterungen bei der Besteuerung und ein verkürztes Ausbildungsprogramm an Colleges für Programmisten hoffen die IT-ler auf weiteres Wachstum Dies soll auch durch den Start von fünf IT-Parks und einen neuen Investitionsfonds noch einmal stimuliert werden.

Technoparks und Investitionsfonds

Aber in beiden Fällen ist noch nicht ganz klar, wo das Geld herkommen soll. Für den Investitionsfonds wären 100 Mio. USD (80 Mio. Euro) notwendig. Der Staat soll sich nach Vorstellungen der Branche zu 75 Prozent an dem Projekt beteiligen, doch bislang scheuen die Beamten das Risiko.

Für die Techno-Parks hingegen sind 123 Mrd. Rubel (3,5 Mrd. Euro) nötig, schätzt Bjachow. Hier soll lediglich ein geringer Teil aus dem Staatssäckel fließen ,15 Mrd. Rubel (420 Mio Euro) aus den Regionalhaushalten und 20 Mrd. Rubel (570 Mio. Euro) aus dem föderalen Budget. Der Rest (88 Mrd. Rubel = 2,5 Mrd. Euro) müsste von Privatinvestoren beigesteuert werden.

(ab/.rufo)