Samstag, 26.01.2008

Kaliningrad: Glücksspielzone scheidet die Geister

Eins der vier Glücksspielgebiete in Russland bekommt Kaliningrad. Foto: Archiv/.rufo
Kaliningrad. Bei einem Treffen von Investoren und Vertretern der Regionalregierung wurden Pläne für eine große Vergnügungszone bekannt. Währenddessen organisieren sich die Gegner der Glücksspielzone im Internet.
Die Vorbereitung zum Bau des baltischen „Jantarnaja“ läuft auf Hochtouren und mit ihm die Kontroversen. Die geplante Glücksspielzone ist Teil des staatlichen Plans zur Regulierung des Glückspiels, denn ab dem 1. Juli 2009 sollen alle Glückspieleinrichtungen Russlands in vier Zonen konzentriert sein.

Erst Mitte Januar wurde die Glücksspielzone im Gebiet Kaliningrad offiziell von Premier Viktor Subkow abgesegnet, aber die Diskussion um den Bau spaltet schon seit zwei Jahren die Öffentlichkeit in Befürworter und Gegner.

Glücksspiel und Business Tür und Tür

Das konkrete Gebiet befindet sich zwischen Powarowka und Jantarnij und ist größer als 1.000 Hektar. Die Spielkasinos sollen dabei nicht der Hauptfokus des Projekts werden, sagen die Befürworter – vielmehr soll eine touristische Erholungszone im großen Stil entstehen, von der die Glücksspielzone weniger als die Hälfte an Fläche ausmachen soll.

Auf dem restlichen, 690.885 Hektar großen Gelände soll ein Territorium für Freizeit- und Unterhaltungsanlagen entstehen, wo auch Geschäftskonferenzen und thematische Veranstaltungen abgehalten werden können.

Diese Pläne wurden vom Vizechef der strategischen Planungsabteilung der Regionalregierung, Sergej Kusnezow, kürzlich bei einem Rundtischgespräch der Assoziation der Auslandsinvestoren vorgestellt. Sie sind aber nicht neu. Gouverneur Georgi Boos hatte schon vor einem Jahr eine kasinofreie Touristenzone angekündigt.

Ein Eldorado für russische Neureiche „vom Festland“

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Region wäre das Projekt in dieser Form sicherlich eine Riesenchance. Die geplante Zone mit Bädern, Vergnügungskomplexen, Konzertplätzen und Jachtanlegern würde vor allem Touristen aus dem russischen Festland vermehrt nach Kaliningrad ziehen. Schon jetzt ist die Ostseeküste ein beliebtes Erholungsziel neureicher Russen aus der Hauptstadt.

Entsprechend groß sind die Hoffnungen: Küstenstädte wie Jantarnij sollen Satelliten-Städte werden, die durch den Tourismus einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben. Der deutsche Generalkonsul in Kaliningrad Guido Herz sieht in der Zone gar einen zukünftigen Anziehungspunkt für das gesamte Westeuropa. „Die Argumente gegen die Glücksspielzone halte ich nicht für stichhaltig“, sagt er.

Bürger blasen zum Kampf gegen die Pläne

Denn das „baltische Las Vegas“ ist umstritten. Im Vorfeld hatte es immer wieder Proteste der Bevölkerung gegeben, die durch die Konzentration des Glücksspiels einen Anstieg der Kriminalität in dem Gebiet an der Ostseeküste befürchten.

Jetzt hat die Bürgerbewegung „Das Volk gegen die Glücksspielzone“ ihre eigene Internetseite ins Leben gerufen. Dort findet man Informationen über Spielsucht und Unterschriftenbögen gegen die Glücksspielzone.

Wladimir Nikitin, Abgeordneter der Staatsduma und Vorsitzender der Kaliningrader Abteilung der Partei „Gerechtes Russland“ ist erklärter Gegner des Projekts und verspricht zu kämpfen: „Die Bevölkerung des Gebiets Kaliningrads muss verstehen, dass sie keinen Pfennig bekommt, sondern eine Menge Probleme.“

Es ist tatsächlich fraglich, ob das Gebiet an der Ostsee, das nicht direkt Teil der Glückspielzone sein wird, von ihr profitieren wird. Es könnte eher so kommen wie jetzt schon auf der Kurischen Nehrung, wo die Villen für reiche Touristen von der einheimische Bevölkerung abgeschottet werden.