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Freitag, 10.05.2013

Krise: Experten sagen der Ukraine neue Rezession voraus

Der hohe Preis für russisches Gas ist einer der Faktoren, die auf die ukrainische Wirtschaft drückt (Foto: TV)
Kiew. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat ihre Wachstumsprognose für die Ukraine erneut nach unten korrigiert. Demnach droht Kiew nicht nur eine Polit-, sondern auch eine Wirtschaftskrise.
Eine Krise in der Ukraine ist nichts Neues – zumindest auf politischer Ebene. Das Land hangelt sich von Wahl zu Wahl, zerrissen zwischen seinem östlichen, historisch russischen Teil und der Westukraine, die bis 1918 Teil des österreich-ungarischen Habsburger-Imperiums war.

Politkrise trägt zur Wirtschaftskrise bei


Seit Jahren trägt die politische Situation auch zur wirtschaftlichen Misere der Ukraine bei. Ein stabiler ökonomischer Kompass fehlt den Regierenden in Kiew (sowohl der aktuellen Führung um Präsident Viktor Janukowitsch, als auch ihren „orangen“ Vorgängern) seit Jahren, die meisten Entscheidungen sind populistisch bestimmt – im Bemühen, die nächsten Wahlen zu gewinnen.

Dass die Ukraine bei der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu den größten Verlierern zählte, ist angesichts eines zur gleichen Zeit verlorenen Gas-Pokers mit Russland kein Wunder. Auch die Erholung verlief zäh. Das von der Regierung für 2012 prognostizierte Wachstum von 3,9 Prozent fiel mit tatsächlich nur 0,2 Prozent deutlich schlechter aus als erwartet.

Wirtschaft schrumpft 2013


Für das laufende Jahr sieht es nicht besser aus: Hatte zuletzt der IWF seine Wachstumsprognose für 2013 auf Null Prozent heruntergeschraubt, kommt es nun noch dicker. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung korrigiert ebenfalls ihre Erwartungen (bereits zum zweiten Mal) und sagt der Ukraine nun einen Rückgang von 0,5 Prozent beim BIP voraus.

Die Ukraine leidet darunter, dass ihre wichtigsten Handelspartner; der Euro-Raum und Russland, ebenfalls in der Krise stecken. Hinzu kommen interne Probleme: In diesem Jahr muss die Ukraine neun Milliarden USD Schulden abtragen, davon sechs Mrd. gegenüber dem IWF. Eine schwere Bürde für den Haushalt.

Korruption als Hemmschuh


Die schwerste Belastung für die Wirtschaft stellt allerdings die grassierende Korruption dar. Einer Studie von Ernst & Young nach liegt die Ukraine europaweit an dritter Stelle (hinter Slowenien und Kroatien) bei der Korruption im Geschäftsleben. Problem ist hierbei die vielfach enge Verstrickung zwischen Politik und Business. Viele Unternehmer berichten von Schutzgelderpressung und Quasi-Enteignungen durch Beamte.

Daneben bedrohen problembehaftete Kredite und laut der EBRD auch eine hohe Dollar-Durchdringung des Finanzsektors die Stabilität. Vieles deutet darauf hin, dass die Banken der einheimischen Währung Hryvna nicht vertrauen. Experten gehen daher auch von einer möglichen baldigen Abwertung der Hryvna aus, die schon während der vorhergehenden Wirtschaftskrise stark unter Druck geriet.

Immerhin, 2014 soll es laut EBRD schon wieder leicht aufwärts gehen. Laut den Experten kann die Ukraine dann mit einem Wachstum von 2,5 Prozent rechnen – wenn die Prognose nicht wieder nach unten revidiert wird.

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