Sonntag, 09.11.2008

Krise, welche Krise? Medwedew eröffnet GM-Werk

Noch ein Auto made in St. Petersburg: Der Chevrolet Captiva (Foto: dni.ru)
St. Petersburg. Absatzkrise in der Autobranche? Eiszeit zwischen Russland und den USA? Bei der Eröffnung des neuen russischen General-Motors-Werks ließ man sich davon nichts anmerken: Medwedew kam selbst vorbei.
St. Petersburg ist seinem Ziel, das „russische Detroit“ zu werden, wieder ein Stück näher gekommen: Am Freitag wurde hier offiziell das erste eigene russische Werk des General-Motors-Konzerns in Betrieb genommen.

300 Millionen Dollar investierte der US-Automobilgigant in den Neubau im Petersburger Industriegebiet Schuschary. Dort befindet sich in der Nachbarschaft auch schon ein nagelneues Toyota-Werk. Der Startschuss zum Bau fiel vor zwei Jahren – als die Wachstumsperspektiven des russischen Automarktes noch ausnahmslos rosig und die Absatzzahlen der GM-Marken in den USA noch erfreulich waren.

General Motors ist eigentlich nicht zum Feiern zu Mute


Inzwischen steht der Konzern angesichts der Weltfinanzkrise und einem Verkaufsrückgang von aktuell 50 Prozent in den USA mit dem Rücken zur Wand. Ford und Chrysler geht es nur wenig besser - in dieser Beziehung ist die Wirtschafts-Macht Detroits inzwischen kein Vorbild mehr, sondern eher eine Bedrohung.

Den ersten Spatenstich tat damals übrigens der damalige Vizepremier Dmitri Medwedew – der es sich nun nicht nehmen ließ, als russischer Staatspräsident die Fortschritte zu inspizieren. Eine ihm damals als Souvenir überreichte Schaufel diene ihm jetzt noch als Garteninventar auf seiner Datscha, erklärte Medwedew.

Dann bezeichnete er den Werksbau als „gutes Beispiel für eine vollwertige Investitions-Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland“ und unterschrieb auf der Motorhaube eines GM-Produkts.

Geländewagen als erste Produkte


Das Werk mit 1700 Arbeitsplätzen ist vorerst auf eine Jahresproduktion von 60.000 Fahrzeugen ausgelegt. Als erste Fahrzeuge laufen hier die SUV-Schwestermodelle Chevrolet Captiva und Opel Antara vom Band – also Fahrzeuge der südkoreanischen und deutschen GM-Töchter. 2009 oder 2010 soll auch der neue Kompaktwagen Chevrolet Cruze aus der Golf-Klasse hinzukommen.

Bei der Eröffnung erklärten Vertreter der Stadtverwaltung und des Konzerns, dass sie sich um die weitere Ansiedlung von Automobilzulieferern im Raum St. Petersburg bemühen wollen.

Der in den letzten Jahren neu entstandene St. Petersburger Automobil-Cluster soll in einigen Jahren aus sechs Montage-Fabriken bestehen: Neben Toyota (Modell: Camry) und General Motors betreibt im nahen Wsewoloshsk Ford seit einigen Jahren schon ein Werk, in dem der Focus und demnächst auch der Mondeo gebaut werden.

Darüberhinaus haben Nissan, Suzuki und Hyundai sich für die Stadt St. Petersburg als Standorte ihrer geplanten russischen Produktionen entschieden.