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Oldtimer frisch ab Werk: Niva-Fertigung bei Lada (foto: vaz.ru)
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Dienstag, 05.04.2005

Künftig mehr günstige Westautos - made in Russia?

Moskau. Die russische Regierung unternimmt einen neuen Versuch zur Ankurbelung der Autoindustrie. Ab 15. April werden Zolltarife für den Import von Autoteilen für Montagebetriebe um die Hälfte gesenkt. Viele Komponenten dürfen sogar zollfrei nach Russland eingeführt werden. Internationale Autokonzerne stehen schon in den Startlöchern.

Den Beschluss darüber unterzeichnete Regierungschef Fradkow am 29. März. Für Motoren, Achsen, Benzin-, Öl- und Wasserpumpen brauchen Montagebetriebe keinen Zoll mehr zu zahlen. Zollfrei sind auch Auspuffanlagen, Autositze, komplette Chassis und vieles andere mehr. Für andere Teile werden die Tarife von 12 bis 15 Prozent des Wertes auf 3 bis 5 Prozent respektive 3 bis 20 Euro pro Position gesenkt. Mit hohen Zöllen belegt seien eigentlich nur noch Autoreifen, verlautete fast scherzhaft. Immerhin wurden die neuen Regeln am 1. April bekanntgegeben.

Für wen die neue Regelung gilt

Der Teufel steckt wie immer im Detail. Noch muss definiert werden, was als Montagebetrieb gilt. Nach Angaben der Tageszeitung „Wremja Nowostej“ soll eine entsprechende Regelung bis zum 15. April vorgelegt und vom russischen Justizministerium abgesegnet werden. Bisher wurde bekannt, dass nur ein Investor, der mindestens 25.000 Westfahrzeuge im Jahr in Russland zusammenbauen will, mit Zollvergünstigungen rechnen kann. Eine Obergrenze gibt es nicht.

Die Neuerungen scheinen ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Bisherige Versuche, unter dem Druck der Autolobby die Produktion rein russischer Automarken durch Schutzzölle für Westautos anzukurbeln, waren konsequent gescheitert. Die technisch rückständigen Ladas – das älteste heutige Modell basiert nach wie vor auf dem Fiat 124, seinerzeit Auto des Jahres 1966 – lassen sich heute nur noch gut im eigenen Land verkaufen – und dies auch nur wegen ihrer Billigpreise.

Der Wolga von GAZ aus Nischni Nowgorod wirkt sogar wie ein Oldtimer vom Fließband. Auch die anderen Produkte heimischer Marken, der Kleinwagen Oka oder der Izh Oda, sind in Sachen Sicherheit, Komfort und Umweltfreundlichkeit allenfalls auf dem Stand der frühen 80er Jahre. Das Moskwitsch-Werk ist trotz der Rettungsbemühungen des Oberbürgermeisters der russischen Hauptstadt Juri Luschkow schon vor Jahren pleite gegangen.

Russische Autolobby ist abgeblitzt

Der Vorschlag, Montagebetrieben für die Zollermäßigung erforderliche Mindestinvestitionen in Höhe von 200 Millionen Dollar aufzudrücken, kam auch nicht durch. Die Regierung konnte sogar die Forderung russischer Fabriken, 50 Prozent der Teilefertigung ihnen zu überlassen, abwehren. Damit wären alle von den westlichen Herstellern an sich selbst gestellten Qualitätsanforderungen perdu. Es gibt jetzt nur eine Beschränkung: Die Betriebe dürfen komplette Karosserien während der ersten 18 Monate zollfrei einführen, später dann nur noch Karosserieteile zum Verschweißen.

Die neuen Zollregeln könnten nun der Anstoß sein, dass mehrere Autokonzerne ihre schon lange gewälzten Pläne zum Bau von Montagefabriken in Russland umsetzen. In relativ großem Stil erwägen bislang Volkswagen, Toyota und angeblich auch Daimler-Chrysler den Einstieg in die russische Autoindustrie. Bislang verfügt nur Ford nahe St. Petersburg über eine eigene Fabrik auf russischem Boden. General Motors betreibt ein Joint-Venture mit dem Lada-Hersteller AvtoVAZ. Durch einheimische Unternehmen werden darüber hinaus mit einigem Erfolg Fahrzeuge von Kia, Hyundai und BMW in Russland montiert.
Bei Russland-Aktuell
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• Lada startet neuen Kleinwagen Kalina (18.11.2004)
• Autoindustrie: SsangYong soll UAZ Beine machen (07.12.2004)
Doch bleiben noch etliche Unklarheiten. Die Regelung gilt für neu entstehende Montagebetriebe. Man weiß nicht, ob und wie sie auf bereits vorhandene Produktionen ausgedehnt werden kann.

Ein anderes Problem lässt sich schon jetzt deutlich absehen. Da die Zollermäßigungen nur für Baukomponenten, aber nicht für Ersatzteile gelten, wird es unweigerlich Versuche geben, die bedeutend teureren Reparaturteile bei den Montagebetrieben „billig zu beschaffen“. Und damit kennt man sich in Russland aus.
(adu-ld/.rufo)



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