Donnerstag, 17.09.2009

Lada-Werk Avtovaz am Tropf: Neue Finanz-Infusion?

Mit besonders modernen Produkten kann Lada in der Krise wahrlich nicht trumpfen: Der Niva (heute offiziell "4x4" genannt) hat sich seit 30 Jahren fast nicht verändert (Foto: Avtovaz)
Togliatti. Der Patient braucht eine neue (Kapital-)Spritze: Autogigant Avtovaz bittet die Regierung um frisches Geld. Doch kann Staatshilfe den Konzern retten oder ist es nur eine lebensverlängernde Maßnahme?
Erst im Frühjahr hatte Premier Wladimir Putin dem Lada-Produzenten ein in der russischen Industrie beispielloses zinsloses Darlehen über 25 Mrd. Rubel (560 Mio. Euro) eingeräumt. Doch der Regierungschef hatte damals auch fest entschieden: Bis 2013 bekommt Avtovaz keine weiteren staatlichen Hilfen mehr.

Avtovaz ist riesig beim Verluste machen


Bis 2013 wird es Avtovaz aber ohne erneutes Eingreifen der Regierung nicht mehr geben. Der Konzern hat das staatliche Darlehen schon völlig aufgebraucht, größtenteils zur Bezahlung alter Schulden gegenüber Banken, Lieferanten und auch den eigenen Angestellten.

Das Unternehmen fährt immer noch massive Verluste ein, im ersten Halbjahr verzeichnete Avtovaz ein Minus von 16,9 Mrd. Rubel (380 Mio. Euro). Der Absatz ist so gering (bis August minus 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr), dass die Belegschaft im August zwangsweise in den Urlaub geschickt wurde, damit der Konzern nicht nur auf Halde produziert.

Bürgschaft soll die Schulden decken


Zwangsläufig sind auch wieder die Schulden angestiegen: 37 Mrd. Rubel (820 Mio. Euro) hat AvtoVaz derzeit an Verbindlichkeiten. Über ein Drittel davon muss der Konzern bis Ende September an die staatliche Sberbank abführen – und dafür hat die neue Avtovaz-Führung (Präsident Boris Aljoschin musste Ende August seinen Hut nehmen) erneut bei der Regierung um Geld gebeten.

Diesmal ist die Rede von einer Bürgschaft. Der Staat kann im Bedarfsfall für die Hälfte der Schulden eines Unternehmens bürgen; in diesem Fall 280 Mio. Euro, was auch ziemlich genau der gesamten Summe entspricht, die die Regierung für die Autoindustrie noch im Topf hat.

Mit Hilfe dieser Bürgschaft will Avtovaz mit den Gläubigern über eine Verlängerung der Kredite verhandeln. Nach Angaben eines Konzernmanagers hofft Avtovaz auf einen Aufschub von zwei bis fünf Jahren.

Massenentlassungen beim Autobauer eingeplant


In der Zwischenzeit will Avtovaz kräftig sparen. Bis Jahresende sollen 36.000 Mitarbeiter entlassen werden, das ist mehr als ein Drittel des Personals. Das steht zwar in deutlichem Widerspruch zu den Forderungen der Regierung nach sozialer Verantwortung der Unternehmer (die Staatsholding Rostechnologii ist mit 25,1 Prozent der Anteile einer der wichtigsten Aktionäre bei Avtovaz), scheint aber der einzige Weg, das Unternehmen zu retten – oder zumindest das drohende Ende herauszuschieben.

Denn bei allen Sparmaßnahmen kommt Avtovaz um eine Neuformulierung des eigenen Konzepts nicht herum. Lada ist zwar nach wie vor die meistverkaufte Auto-Marke in Russland – aber nicht, weil das Auto bei den Russen so populär wäre, sondern weil sich die meisten einfach keine anderen Autos leisten können.

Neues Konzept bei Lada nötig


Ohne die Erhöhung der Importzölle zum letzten Jahreswechsel wäre die russische Autoindustrie nach Einschätzung von Rostechnologii-Generaldirektor Sergej Tschemesow „jetzt schon tot“. Doch die Konkurrenz erhöht den Druck. Immer mehr westliche Autobauer produzieren in Russland, um ihre Preise zu senken.

Vor allem braucht Lada ein anderes Image als nur „billig“. Man müsste auch mit Qualität aufwarten. Bisher hat die Kooperation mit Renault (hier liegen 25 Prozent der Aktien) noch keine nennenswerten Fortschritte gebracht.

Und darauf, dass nach einer weiteren Drehung des Magna-Opel-Deals bei Avtovaz künftig auch einmal Opel-Modelle zusammengeschraubt werden könnten, sollte man in Togliatti nicht allzu stark hoffen.