Montag, 05.08.2013

Lada-Produzent AvtoVaz nimmt Kurs auf neue Untiefen

Unterstützung aus der Politik: Hier testet Wladimir Putin den Lada Granta (Foto: autonews.ru)
Moskau. Der russische Automarkt schwächelt und Lada-Produzent AvtoVaz leidet darunter am stärksten. Im Juli sind die Verkäufe um rund 20 Prozent eingebrochen. Finanziell hat der Konzern die Marktführerschaft längst abgegeben.
37.500 Autos konnte AvtoVaz im Juli auf dem russischen Markt absetzen. Im Vergleich zum Juli 2012 entspricht das einem Rückgang von 20,3 Prozent. Der Export – ohnehin nicht das Steckenpferd von AvtoVaz – trug mit verkauften 3.100 Fahrzeugen auch nur zu einer minimalen Ergebniskorrektur bei. Insgesamt verkauften sich Ladas in diesem Juli um 19 Prozent schlechter als im vergangenen Boom-Sommer.

Abwärtstrend setzt sich fort


Der Autoproduzent aus den Schiguli-Bergen beschleunigt damit nur seinen bestehenden Abwärtstrend. Fünf Monate in Folge sind die Verkäufe (im Vergleich zum Vorjahr) rückläufig – der Juli weist dabei das größte Minus auf. Seit Jahresbeginn liegt das Minus bei etwa neun Prozent. Zum Vergleich: Der russische Automarkt insgesamt ist um sechs Prozent gefallen.

Als Ladenhüter erweisen sich bei AvtoVaz vor allem die älteren Modelle Lada Kalina (der ersten Generation) und Priora, deren Umsätze auf ein Viertel beziehungsweise die Hälfte des Vorjahres gefallen sind. Die neuen Modellreihen Granta und Largus können diese Verluste nicht völlig auffangen. Beim Largus, der erst seit einem Jahr im Angebot ist, gibt es wohl zudem Probleme mit Zulieferern.

Zu langsam beim Umschalten auf neue Modelle


„Niemand will einen Priora nehmen, wenn der neue Granta erhältlich ist“, erklärt Wladimir Bespalow, Automobil-Analyst von VTB Capital. AvtoVaz bietet den Granta extrem preisgünstig an und macht damit seinen eigenen Modellen Konkurrenz – ohne sie aus der Produktion zu nehmen.

Experten fordern von AvtoVaz, sich schneller von alten Modellen zu trennen. Wie langwierig bei AvtoVaz der Entscheidungsprozess ist, demonstriert die Tatsache, dass erst im vergangenen Herbst die Produktion des noch aus Sowjetzeiten (1984) stammenden so genannten Klassikers, Lada 2104, endgültig eingestellt wurde.

Finanziell schon nicht mehr vorn


Bei den Verkaufszahlen ist AvtoVaz zwar mit etwa 30 Prozent immer noch Marktführer in Russland. Finanziell ist der Konzern allerdings bereits auf den dritten Platz zurückgefallen. Laut den jüngst veröffentlichten Umsatzzahlen für 2012 führt hier VW mit einem Verkaufserlös von 258 Mrd. Rubel (6,45 Mrd. Euro), was einem Plus von 34,7 Prozent entspricht.

Auf Platz zwei stieß die Toyota-Gruppe vor, die ihren Umsatz um 26 Prozent auf 228 Mrd. Rubel (5,7 Mrd. Euro) steigern konnte. Der Zuwachs von AvtoVaz fiel hingegen mit 4,8 Prozent trotz Boomjahr bescheiden aus. Mit gut 183 Mrd. Rubel (4,6 Mrd. Euro) Umsatz aus dem Verkauf nimmt der Konzern Rang 3 ein. Das schwache Ergebnis erklärte der Konzern damals mit dem Auslaufen des staatlichen Verschrottungsprogramms, von dem AvtoVaz in den Vorjahren profitiert hatte.