Donnerstag, 02.06.2011

Milliardenauftrag für Siemens, Kooperation für DB

Guter Laune auf dem Bahnforum in Sotschi: Wladimir Jakunin, Siemens Vizechef Hans-Jörg Grundmann und Sinara-Chef Dmitri Pumpjanski (von re. nach li.) (Foto: ab/.rufo)
Sotschi. Für deutsche Unternehmen hat sich das VI. Internationale Bahnforum in Sotschi gelohnt: Siemens bringt einen Milliardenauftrag mit, DB Schenker ein zukunftsträchtiges Joint-Venture. In Russland geht es vorwärts.


„Die Probleme, die zur Krise geführt haben, sind noch nicht überwunden“, warnt RZD-Präsident Wladimir Jakunin. Dabei scheint für die russische Bahn selbst die Krise schon lang beendet. Güteraufkommen und Gewinn steigen und die RZD ist auch wieder in Einkaufslaune. Auf dem Eisenbahnforum in Sotschi wurden gleich mehrere Milliardenaufträge unterzeichnet.

So liefert der russische Maschinenbauer TransMaschHolding 200 Güterloks an die RZD. Der Konzern, an dem der französische Eisenbahnhersteller Alstom mit 25 Prozent beteiligt ist, hofft dadurch auf eine Milliarde USD an Einnahmen. Vorstandschef Andrej Bokarew räumte allerdings ein, dass die Preisverhandlungen noch nicht abgeschlossen sein. Der Endpreis könne also noch sinken.

Großauftrag für Siemens


Den größten Auftrag haben Siemens und die russische Investitionsgruppe Sinara an Land gezogen. Nach monatelangen Verhandlungen bekommt ihr Gemeinschaftsunternehmen „Uralskije Lokomotiwy“ den Auftrag über 1.200 Waggons des Nahverkehrszugs „Schwalbe“. Das entspricht 240 Zügen.

Sinara-Vorstandschef Dmitri Pumpjanski beziffert den Wert des Auftrags auf über 2,5 Mrd. Euro. Siemens Russlandchef Dieter Möller ist da vorsichtiger: Auch hier seien die Preisverhandlungen noch nicht bis ins Detail abgeschlossen. Möller geht daher „konservativer“ von „über zwei Milliarden Euro“ aus. Eine Erhöhung des Vertragswerts auf über 2,5 Mrd. Euro sei aber nicht ausgeschlossen.

Güterloks für Sachalin


Sinara soll darüber hinaus Lokomotiven für die Schmalspurbahn auf der Fernost-russischen Insel Sachalin (Spurbreite 1067 mm) liefern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Siemens auch in diesen Kontrakt eingebunden wird.

Vor Sachalin lagern gewaltige Öl- und Gasfelder. Für Aufbereitung (Gasverflüssigungsanlage) und Transport der Rohstoffe muss die nötige Infrastruktur geschaffen werden – das erfordert den Transport von Gütern, u.a. per Bahn.

DB Schenker in Kaluga aktiv


Einen Erfolg kann auch die Deutsche Bahn vermelden. Ihre Tochter DB Schenker Rail Automotive gründet ein Joint-Venture mit der RZD-Tochter TransContainer für Logistikdienstleistungen in Kaluga. „Bisher machen wir reinen Transport, jetzt erweitern wir unser Angebot auf Kontraktlogistik an der Schnittstelle zum Kunden“, erklärte der Geschäftsführer von DB Schenker Rail Automotive Axel Marschall Russland-Aktuell.

Zunächst soll sich das Gemeinschaftsunternehmen auf die Zwischenlagerung von Ersatzteilen für VW konzentrieren. Eine Expansion des Unternehmens auf weitere Standorte und neue Kunden – in Kaluga sind mehrere internationale Autofirmen stationiert – ist aber angedacht.

TransContainer-Chef Pjotr Baskakow schätzt die Erfolgsaussichten auf „beinahe 100 Prozent“, da es vergleichbare Logistikdienstleistungen in Russland bislang nicht gebe, obwohl sie sehr gefragt seien.

Breitspur nach Wien kommt nicht sichtlich voran


Das groß angepriesene Breitspurprojekt nach Wien hängt hingegen weiter in der Schwebe. In Sotschi wurden keine Vereinbarungen dazu abgeschlossen, obwohl das Thema auf der Tagesordnung stand.

Das Problem der Bahn bleibt die Finanzierung: Die politische Unterstützung habe das Projekt, betont Russlands Vizeverkehrsminister Andrej Nedosekow. „Es ist sehr angenehm, dass praktisch gesamt Eurasien das Projekt unterstützt, weil es die deutliche Beschleunigung des Warenverkehrs ermöglicht“, sagte er.