Dienstag, 22.11.2011

Minsk und Moskau erneuern Gas-Brüderschaft

Der Gashahn bleibt in diesem Winter voraussichtlich offen. Ein neuer Gasvertrag zwischen Minsk und Moskau ist unterschriftsreif (Foto: Archiv)
Moskau. Weißrussland kann ab nächstem Jahr auf einen deutlichen Gasrabatt hoffen. Der Preis soll sich halbieren. Die Hilfe kommt zur rechten Zeit für Lukaschenko. Dafür engagiert er sich bei Putins Eurasischer Union.
Russland und Weißrussland sind kurz vor der Unterzeichnung eines neuen Gasvertrags. Der bisherige Vertrag läuft am Jahresende aus und sieht einen Preis von derzeit rund 300 USD pro 1.000 Kubikmeter Gas vor.

Gas wird für Weißrussland billiger


Ab dem 1. Januar soll es für Minsk deutlich billiger werden. Einem Bericht der Tageszeitung „Wedomosti“ nach wird derzeit ein Preis von etwas über 150 USD debattiert, der das ganze Jahr über fix bleiben soll (noch wird er quartalsweise angepasst). Vor ein paar Wochen noch lag die Preisspanne bei den Verhandlungen zwischen 150 – 190 USD pro. 1.000 Kubikmeter.

Ab 2013 soll dann der Gaspreis für Weißrussland auf der Basis des russischen Binnenmarktpreises berechnet werden. Dazu berechnet Gazprom lediglich einen Aufschlag für die Transport- , Lager- und Absatzkosten.

Lukaschenko will die Kassen füllen


Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko kommt der Rabatt sehr gelegen; ist die Staatskasse nach der beispiellosen Wirtschafts- und Finanzkrise in Weißrussland doch leer. Die Preissenkungen werden nicht direkt an die Bevölkerung weitergegeben, hatte er schon im Vorfeld angekündigt.

„Das alles sammeln wir ein und geben es in den Haushalt, um damit die Menschen zu unterstützen“, erklärte er. Daneben hofft der Autokrat auch noch auf einen Milliardenkredit aus Moskau, um die Löcher im Etat zu stopfen.

Gazprom verzichtet auf 3 Mrd. USD


Gazprom dürfte durch die neue Vereinbarung Berechnungen nach allein 2012 Mindereinnahmen von 3 Mrd. USD haben. Allerdings erhält der Konzern dafür die vollständige Kontrolle über den weißrussischen Pipelinebetreiber Beltransgas (bislang war Gazprom mit 50 Prozent beteiligt). Das erleichtert den Transit nach Europa.

Für Gazprom selbst ist der Deal trotzdem kein Gewinngeschäft. Für Moskau stehen eher strategische Überlegungen im Vordergrund. So will Russland bei der bevorstehenden Privatisierung der weißrussischen Industrie groß einsteigen. In Regierungskreisen wird bspw. darüber verhandelt, dass der russische mehrheitlich staatliche LKW-Produzent Kamaz seinen weißrussischen Konkurrenten MAZ übernimmt.

Zudem ist Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko ein aktiver Parteigänger der Eurasischen Union. Die Vorstellung eines einheitlichen Wirtschaftsraums nach dem Vorbild der EU hatte Russlands Premier Wladimir Putin kurz nach Bekanntwerden seiner erneuten Kandidatur als Präsident zur Vision seiner neuen Präsidentschaft erhoben.