Montag, 14.11.2011

NorNickel-Streit: Deripaska verliert weitere Verfahren

Aluminiumzar Deripaska schwimmen die Felle davon, auch vor internationalen Gerichten. (Foto: TV)
Moskau. Der Aluminiumkonzern des russischen Oligarchen Deripaska hat zwei Verfahren um den Stopp der Aktienrückkaufaktion bei NorNickel verloren. Nach Holland und der Karibik könnte nun auch eine Klage in der Schweiz kippen.
In Holland wollte Oleg Deripaskas RusAl sich das Recht einklagen, Mitarbeiter des Rohstoffhändlers Trafigura zu befragen, der einen achtprozentigen Aktienanteil an NorNickel besitzt. Deripaska ist der Ansicht, sein Erzkonkurrent Wladimir Potanin (Interross) habe für Trafigura unlauter Geld aus dem NorNickel-Konzern abgezogen.

Das holländische Gericht untersagt diese Befragungen jetzt, die RusAl offensichtlich benutzen wollte, um im nächsten Schritt gerichtlich gegen Potanin vorzugehen.

Die Begründung der Richter lautet: „Selbst wenn das, was RusAl Trafigura vorwirft, wahr sein sollte, hat Trafigura weder das russische noch das holländische Gesetz verletzt; deshalb hat RusAl kein Recht, Zeugen von Trafigura zu befragen.“

Zwei Niederlagen an einem Tag


Dieses Urteil war letzten Freitag ergangen. Am selben Tag musste Deripaska eine weitere Schlappe hinnehmen: Ein Gericht des Karibik-Kleinstaates St. Nevis wies eine Klage von RusAl gegen zwei Tochterunternehmen von NorNickel als „zum Scheitern verurteilt“ und „Rechtsmissbrauch“ zurück.

Dabei geht es ebenfalls um die Buy-Back-Aktion von NorNickel-Aktien, die RusAl mit allen Mitteln verhindern wollte, dies aber im Endeffekt nicht konnte.

Deripaska wirft den NorNickel-Töchtern Absprache mit Potanins Interross vor, um RusAl zu schaden. Das Geschäft mit Trafigura sei nur zum Schein geschlossen worden. Alle zusammen hätten die Absicht gehabt, RusAl zum Aktienverkauf zu zwingen.

Auf einem absteigenden Ast


Deripaskas in der Schweiz anhängige Klage wegen Geldwäsche gegen den Hyposwiss-Verwaltungsrat Hans Bodmer steht ebenfalls kurz vor dem Scheitern. Die schweizerische Bundesanwaltschaft hatte die Klage abgewiesen, eine Entscheidung des Bundesgerichts steht noch aus.

RusAl wirft Bodmer vor, über eine Milliarde Dollar aus NorNickel abgezogen und auf Potanins Konto überwiesen zu haben. Potanin hat bei NorNickel einen Aktienanteil von 30 Prozent, Deripaskas RusAl besitzt 25 Prozent. Sie streiten sich seit Jahren erbittert um die Anteile bei NorNickel.

Deripaska sitzt dabei immer mehr auf einem absteigenden Ast, denn er ist bis über beide Ohren verschuldet. Letzte Meldung von dieser Front: Bei der französischen Großbank BNP Paribas ist er in Zahlungsverzug geraten. Es geht um einen 2007 aufgenommenen Kredit über 87 Millionen Dollar.