Dienstag, 16.12.2008

Ostsee-Pipeline? Ochta-Center? Gazprom muss sparen

Gazprom will den Hahn etwas zudrehen - nicht beim Gas, sondern den Investitionen (Foto: archiv/.rufo)
Moskau. Selbst Gazprom wird nächstes Jahr sparen müssen: Um Mindereinnahmen beim Export-Geschäft auszugleichen, erwägt Russlands Top-Konzern, bei Gemeinschafts-Großprojekten wie der Ostseepipeline kürzer zu treten.
Auf etwa 20 Milliarden Dollar wird das Einnahme-Minus betragen, wenn der an den Ölpreis gekoppelte Gaspreis für die westeuropäischen Abnehmer im nächsten Jahr kräftig heruntergeht. In diesem Jahr wurde Gazprom auf dem EU-Markt noch mit einem Rekorderlös von 64 Mrd. Dollar verwöhnt. Doch der durchschnittliche Gaspreis von 410 Dollar pro 1.000 Kubikmeter wird 2009 wohl auf etwa 280 Dollar absacken (Russland-Aktuell berichtete). Diese Prognose gilt für einen durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel.

Der bislang faktisch im Geld schwimmende Konzern muss deshalb jetzt etwas tun, was er kaum gewöhnt ist: Sparen.

Vorstand diskutiert Sparmaßnahmen


Am 23. Dezember soll der Gazprom-Vorstand über einen Krisenplan beraten, der offiziell „Neue Finanzstrategie unter den Bedingungen wachsender Krisensymptome auf den Weltfinanzmärkten“ heißt.

Offiziell will der Großkonzern noch nichts verraten, welche Maßnahmen dabei erörtert werden. Wie die Zeitung „Kommersant“ von einem Insider erfuhr, stehen darin keine konkreten Ziffern oder Projekte, die gestrichen oder gekürzt werden sollen. Vielmehr geht es um Ansätze für Maßnahmen, mit denen Gazprom seine Ausgaben der neuen Einkommenslage anpassen kann.

Gazprom-Partner sollen mehr Geld geben


Unter anderem sei von einer „Verringerung der Unternehmensanteile bei Investitionsprojekten durch das Hinzuziehen von Partnern“ sowie die erhöhte Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten durch die schon vorhandenen Partner die Rede.

In Frage kämen dafür dem Bericht zufolge in erster Linie Projekte wie die Erschließung des Stockmann-Gasfeldes im Hohen Norden oder jene Gesellschaften, die den Bau der geplanten neuen Gaspipelines Nord Stream und South Stream in die EU-Staaten finanzieren.

Bei diesen Projekten hält Gazprom momentan 51 Prozent der Aktien der Trägergesellschaften, den Rest halten westliche Unternehmen. Auch das zu 50 Prozent Gazprom-eigene ukrainische Versorgungsunternehmen Rosukrenergo wird genannt.

Krösus Gazprom bittet um milde Spenden - nur bei wem?


Weder bei Gazprom noch seinen Partnern wie Total und Statoil Hydro (in der Shtokman Development AG) oder BASF/Wintershall und E.On (beim Ostsee-Pipeline-Konsortium Nord Stream AG) konnte die Zeitung dazu Kommentare bekommen. Ein Vertreter eines der Unternehmens bekannte, dass man sich über eine solche Möglichkeit schlichtweg noch nie Gedanken gemacht habe.

Allerdings stellt sich gleich die Frage, ob die westlichen Partner unter den gegenwärtigen Bedingungen von Wirtschaftskrise und Energiepreis-Verfall überhaupt das Interesse und die finanziellen Möglichkeiten haben, ihr Engagement zu erhöhen. Außerdem müsste Gazprom schon sehr geschickt verhandeln, um zugleich die operative Kontrolle über diese Projekte behalten zu können - was seitens des Kremls Bedingung sein dürfte.

Die Großprojekte könnten auf die lange Bank geraten


Wenn Gazprom tatsächlich seinen Investitions-Verpflichtungen ab 2009 nicht mehr voll nachkommen kann, wird es wohl eher darauf hinauslaufen, dass Milliardenprojekte zeitlich gestreckt werden müssen. Die zuletzt auf 7,6 Mrd. Euro Kosten veranschlagte Ostseepipeline würde dann wohl kaum wie geplant 2012 fertig. Denn den westlichen Geschäftspartnern geht es momentan eher noch schlechter – zumal sie im Gegensatz zu Gazprom nicht auf staatliche Unterstützung hoffen können.

Der Petersburger Wolkenkratzer passt schlecht zu Sparmaßnahmen


Wenn nun selbst die Geldmaschine Gazprom sparen muss, dürfte dies auch das Ende für das umstrittene Projekt des 400-Meter-Wolkenkratzers in St. Petersburg bedeuten: Denn in diesem Fall ist beim Partner definitiv nichts zu holen.

Das Zwei-Milliarden-Euro-Prestigeprojekt sollte 50/50 bis 2016 mit der Stadtverwaltung realisiert werden. Doch der Smolny machte bei der Verabschiedung des jüngsten Haushaltes bereits klar, dass aus Einsparungsgründen in den nächsten drei Jahren für das „Ochta-Center“ seitens der Stadt keinerlei Mittel zur Verfügung stehen.

Bislang hatte Gazprom vollmundig erklärt, zu seinen Verpflichtungen zu stehen und den Bau dann eben alleine weiter zu finanzieren.