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Mittwoch, 12.12.2012

Renault übernimmt die Kontrolle bei Avtovaz

Der neue Almera ist ein bei Lada gebauter Nissan, der technisch von Renault für Dacia konzipiert wurde. So kompliziert ist Autobau heute. (Foto: avtostat.ru)
Togliatti. Renault-Nissan hat beim russischen Autobauer Avtovaz endgültig das Steuer übernommen. Heute wurde ein Joint-Venture zur Leitung des Autowerks gegründet - und ein Nissan-Modell rollt dort jetzt auch vom Band.
Lada wird in Zukunft eine weitere Marke im Produktportfolio von Renault-Nissan sein – so wie beispielsweise der rumänische Autobauer Dacia. Und die bei Avtovaz hergestellten Fahrzeuge werden mit der Zeit auch unter anderen Marken des Konzerns vom Band rollen.

Erste Fremdmarke im Lada-Werk


Ein Anfang in dieser Richtung wurde just gestern gemacht: Avtovaz beging feierlich den Produktionsstart des neuen Nissan Almera. Dabei handelt es sich um eine kompakte Stufenhecklimousine, die wie der Kombi Lada Largus auf der B0-Plattform von Renault beruht. Dahinter verbirgt sich das technische Gerüst des soliden Billigautos Dacia Logan – das Renault in Russland bislang unter eigenen Namen in seinem firmeneigenen Werk in Moskau fertigt.

Heute wurde zwischen Renault-Nissan und der Staatsholding RosTechnologii schließlich der Vertrag über die Gründung eines Joint Ventures unterschrieben, das in Zukunft formell die Fäden bei Avtovaz in der Hand halten wird.

Komplexe Anteils-Rechnung


Das Unternehmen mit dem Namen „Alliance Rostec Auto BV“ wird 74,5 Prozent der Aktien von Avtovaz halten. Renault bekommt bei Rostec 50,1 Prozent der Anteile und Nissan 17 Prozent – womit der französisch-japanische Konzern letztlich eine Aktienmehrheit von 50,01 Prozent bei Avtovaz inne haben wird. Aufsichtsrats-Vorsitzender bei Rostec wird der Konzernchef von Renault-Nissan, Carlos Ghosn.

Bis 2014 soll das Schema schrittweise umgesetzt werden, wobei die ausländischen Investoren noch 742 Mio. Dollar in das größte russische Autowerk stecken müssen. Die bisher mit 20 Prozent an Avtovaz beteiligte Holding Troika Dialog scheidet hingegen dort aus, Rostechnologii behält eine Sperrminorität.

Datsun kommt wieder - als Edelhülle für Lada-Technik


Im Rahmen der Kooperation soll zudem eine alte Automarke wieder auferstehen – und zugleich das bei Lada vorhandene technische Know-how genutzt werden: Auf Basis der Plattform des gegenwärtig fortschrittlichsten Lada-Produkts, dem Stufenheck-Kleinwagen Granta, wird in japanisch-russischer Kooperation ein Auto entwickelt, das ab 2014 unter der Marke Datsun vom Band laufen soll. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Nissan und Avtovaz ebenfalls heute.

Der Nissan-Konzern verkaufte bis in die 1980er Jahre seine Produkte auf Export-Märkten mit dem Label Datsun. In Russland soll es nun wieder zu einer vollwertigen Automarke mit eigenem Händlernetz werden.

Große Pläne - für einen Markt aus Gummi?


Renault ist bei Lada seit 2008 mit 25 Prozent beteiligt. Bis 2020 wollen die Partner die Produktion im Stammwerk in Togliatti auf 1 Mio. Autos im Jahr der vier Marken Lada, Renault, Nissan und Datsun hochfahren – wobei das Lada-Tochterunternehmen Izh in Ischewsk noch zusätzlich 360.000 Autos fertigen soll.

Allerdings haben andere Autokonzerne wie Volkswagen, General Motors, Ford und Hyundai ähnlich ambitionierte Wachstums-Pläne für ihre russischen Dependancen. Der Konkurrenzkampf verspricht in den nächsten Jahren hart zu werden - zumal seit November dieses Jahres die Zulassungszahlen für Neuwagen in Russland auch nicht mehr wachsen.

Lada braucht dringend eine Frischzellenkur


Im letzten Jahr verkaufte Lada auf dem russischen Markt 580.000 Autos. Damit ist das Unternehmen zwar nach wie vor unangefochten Marktführer, doch sinkt der Marktanteil des einst einzigen Auto-Massenherstellers der Sowjetunion seit Jahren kontinuierlich - die prestigefreie Billigmarke steht auch in ihrer Heimat nicht mehr im Ruf, besonders zuverlässige Autos zu bauen.
Mit den technischen Genen und dem Geld von Renault könnte Lada allerdings wieder Boden gut machen und auch international als Budget-Marke neu Fuß fassen – so wie das Renault in den letzten zehn Jahren mit Dacia vorgemacht hat.

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