Abgesahnt mit dem Börsengang. Deripaska hat Rusal-Papiere teuer verkauft, nun plant er den nächsten Coup (Foto: TV)
Freitag, 19.02.2010
Rusal: „So einen Verfall hätten wir nicht erwartet“
Moskau/Hongkong. Der Börsengang von Rusal ähnelt einem Desaster für die Investoren. Nach nicht einmal einem Monat haben die Rusal-Aktien schon ein Drittel ihres Werts verloren. Deripaska plant schon den nächsten Coup.
2,24 Mrd. USD (1,6 Mrd. Euro) hat Oleg Deripaska mit dem IPO von Rusal eingenommen. Das Geld wurde für den Schuldenabbau des Aluminiumgiganten verwendet. Die Schulden sind mit rund zwölf Milliarden USD freilich ebenfalls gigantisch.
Russische Steuerzahler als Aktionäre von Rusal
Und so warnten Experten schon im Vorfeld, die Aktie sei zu teuer. Deripaska beeindruckte das wenig. Der Preis für die Rusal-Aktien wurde nicht gesenkt. Tatsächlich fand der russische Oligarch rund 300 Großinvestoren – auch dank seiner guten Beziehungen zum Kreml. Denn die russische Staatsbank VEB stieg nach einer Empfehlung von Finanzminister Alexej Kudrin als größter Investor beim IPO mit ein.
Wer nicht hören kann, muss fühlen. Schon am ersten Börsentag enttäuschte Deripaska seine Anleger. Die Rusal-Papiere rauschten gleich um zehn Prozent in den Keller. Doch die Talfahrt war damit noch nicht zu Ende. Seit der Platzierung am 27. Januar hat Rusal an der Börse um 30 Prozent an Wert eingebüßt.
Schlimmer als erwartet
„Es war klar, dass der Aktienwert fallen würde, denn seit Mitte Januar begannen die Märkte zu fallen. Doch so einen Verfall hatten wir nicht erwartet“, bekennt nun ein Fondsmanager, der damals bei Rusal mit eingestiegen ist. Nun heißt es, sich in Geduld zu üben. Die Aktie sei eine langfristige Investition, man werde also jetzt nicht panisch verkaufen, sagte der Manager.
Wer damals nicht eingestiegen ist, darf sich auf jeden Fall beglückwünschen. Er kann die Aktien nun um ein Drittel billiger haben, wenn er will. Doch billig ist die Aktie nach wie vor nicht. Eine Anlageempfehlung gibt derzeit keine Bank für Rusal. „Das größte Problem sind die Schulden“, heißt es. Die werden auch in den kommenden Jahren die Rendite des Unternehmens drücken.
Neuer Börsengang geplant
Für Oleg Deripaska ist dies allerdings kein Grund an sich zu zweifeln. Schon plant der Oligarch den nächsten Börsengang. Der Energiekonzern Eurosibenergo soll ebenfalls in Hongkong aufs Parkett gebracht werden. Deripaska hofft auch diesmal wieder auf Milliardeneinnahmen.
1,5 Milliarden Dollar soll der Börsengang von Eurosibenergo bringen. Das Geld – Sie erraten es – ist für den Schuldenabbau des Unternehmens gedacht. Immerhin wäre Eurosibenergo im Gegensatz zu Rusal nach dem IPO schuldenfrei.
Ob Deripaska allerdings wieder so zahlreiche Interessenten für diesen Börsengang findet, nachdem er beim ersten Mal aus offensichtlicher Profitgier seine Investoren so an die Wand laufen ließ, bleibt abzuwarten. Bisher hat sich der Kreml noch nicht geäußert, ob er wieder Staatsgelder in die Papiere buttert.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)