Von André Ballin, Moskau. Russland ist derzeit der zweitgrößte Erdölexporteur der Welt, nur noch übertroffen von Saudi-Arabien. Doch das könnte sich in ein paar Jahren ändern. Mehrere Milliardenprojekte sollen Russland zur weltweiten Nummer 1 machen und gleichzeitig den Einfluss des Landes auf die internationale Ölpreispolitik erhöhen. Zwei oder drei riesige Pipelines sollen den Weg zu neuen Absatzmärkten öffnen.
Bisher befindet sich Russland in starker Abhängigkeit vom europäischen Markt. Etwa 80% der russischen Erdöllieferungen gehen dorthin und decken den Bedarf der Europäer zu 15 –20% ab. Damit ist Russland in einer sehr unflexiblen Position, wenn sich die Nachfrage nach Erdöl in anderen Regionen der Erde ändert. Wichtige Abnehmer der Zukunft könnten die USA, Japan und China sein.
Insbesondere die asiatischen Länder müssen einen hohen Preis für ihr Öl zahlen, da sie weniger unter ihren Lieferanten auswählen können als beispielsweise die europäischen Länder. Darum sind sowohl China als auch Japan an der Ausbeutung der noch unerschlossenen ostsibirischen Ölfelder interessiert. Zurzeit gibt zwei Pläne für neue Erdölleitungen. Beide verschlingen mehrere Milliarden Dollar und sind gemeinsam nicht zu realisieren.
Variante A sieht vor von der Stadt Angarsk am Westufer des Baikal bis zur chinesischen Stadt Dazin eine 2.400 Kilometer lange Trasse zu errichten, die etwa 400.000 bis 600.000 Barrel Öl pro Tag transportieren könnte. Die Kosten von 1,9 Mrd. $ würden teilweise von China übernommen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die zweite Linie von Angarsk nach Nachodka, dem russischen Hafen am Japanischen Meer gebaut wird. Die ist zwar fast doppelt so lang und kostet 5,2 Mrd. $, doch die 1 Mio. Barrel täglich, die man durch die Pipeline leitet, könnten dann sowohl nach Japan, Korea als auch in die USA verkauft werden. Damit sichert sich Russland sowohl größere ökonomische als auch politische Bewegungsfreiheit.
Tatsächlich realisiert wird wohl bis 2007 eine Trasse vom erdölreichen Westsibirien nach Murmansk, von wo aus das Erdöl dann verschifft werden kann. Bis zu 1,6 Mio. Barrel Öl sollen täglich durch die 2.500- 3.600 Kilometer lange Trasse fließen. Der Kostenpunkt liegt bei 3,4 – 4,5 Mrd. $. Die USA haben schon ihr Interesse bekundet.
Auf dem Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Putin und US-Präsident Bush am 24. Mai 2002 vereinbarten beide Länder eine engere Zusammenarbeit auf dem Energiesektor. Unter anderem wollten die Vereinigten Staaten den Anteil ihrer Erdölexporte aus Russland erhöhen. Inwieweit der Krieg im Irak diese geostrategischen Überlegungen beider Länder beeinflusst, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht voraussagen.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)