Mittwoch, 17.06.2009

Sberbank möchte Lada mit Opel-Magna verkuppeln

Der Lada Kalina ähnelt äußerlich einem alten Opel Corsa. Nun könnten die beiden Hersteller tatsächlich zusammenwachsen (Foto: ld/.rufo)
Moskau. Was will die Sberbank eigentlich mit Opel? Jetzt hat Chef-Banker German Gref die Katze aus dem Sack gelassen: Magna-Opel und GAZ sollen mit Russlands größtem Autohersteller Avtovaz (Lada) fusionieren.
Allerdings gibt es bei diesem Vorhaben ein beträchtliches Hindernis: Der französische Autohersteller Renault – und damit ein direkter Konkurrent von Opel – hält seit Februar 2008 einen 25-Prozent-Anteil an dem ansonsten weitgehen staatseigenen Autogiganten in Togliatti.

Wegen seiner technologischen Rückständigkeit und einem enormen Investitionsbedarf sei Lada nicht in der Lage, sich selbstständig auf dem Automobilmarkt durchzusetzen. Die Produktlinie von Lada hätte keine langfristigen Perspektiven. Avtovaz müsse deshalb „entweder unter die Leitung von Renault gestellt werden oder man muss eine andere Lösung finden – etwa eine Allianz mit Magna und Opel“.

Russischer Auto-Staatskonzern mit Opel-Signet?


Innerhalb eines halben Jahres müsse eine Perspektive für Avtovaz gefunden werden, so Gref. Aus den weiteren Äußerungen des ehemaligen Wirtschaftsministers und Putin-Vertrauten folgte dann aber doch deutlich, dass es ihm vorrangig um die zweite Variante geht: In Russland soll eine starke nationale Automobil-Holding geschaffen werden, die dank des Opel-Inputs auch über genug Knowhow und Renommee für internationale Aktivitäten verfügt.

„Wir müssen mit Opel ein Konglomerat schaffen, dass in der Lage wäre, 5 bis 6 Millionen Autos im Jahr zu bauen – Opel schafft jetzt 1,5 Millionen. Die Aufgabe für die nächsten fünf Jahre lautet, wenigstens auf 3 Millionen zu kommen und weiter besteht dann die Möglichkeit für Fusionen und Übernahmen“, sagte Gref.

Der Banker betonte, dass es der halbstaatlichen Sberbank bei der Übernahme eines 35-Prozent-Anteils an Opel darum ging, „der russischen Autoindustrie zu Technologien zu verhelfen und nicht um Gewinnerzielung“.

Doch die russische Autoindustrie – von ausländischen Tochterwerken und den am Markt nur gering vertretenen Randerscheinungen GAZ und UAZ einmal abgesehen – ist fast deckungsgleich mit Lada, wo man im letzten Jahr etwa 800.000 Autos baute. Deshalb muss wohl jetzt davon ausgegangen werden, dass das marode Autowerk GAZ, dass bei der Einfädelung des Opel-Deals von den Russen als „technologischer Partner“ mit ins Spiel gebracht wurde, nur zur Ablenkung vom eigentlichen strategischen Ziel diente.

Renault zögert - und Lada fährt einspurig


Bislang galten der russische Staat als Financier und Technologie-Transfers von Renault als die Zukunftsperspektive für Avtovaz. Renault hat sich allerdings bisher nicht überschlagen, seinem neuen Partner mit neuen Modellen oder Motoren zu versorgen: Als erster Lada mit Renault-Genen soll erst im nächsten Jahr das Kombi-Modell des Dacia Logan ins Programm kommen. die anderen Logan-Versionen baut Renault selbst in seinem Moskauer Werk.

Das sonstige Produktprogramm von Lada ist nur noch wegen sehr günstiger Preise richtig konkurrenzfähig - und dies auch nur noch auf dem GUS-Markt. Außerdem hat der Konzern in den letzten Jahrzehnten den strategischen Fehler begangen, insgesamt vier Pkw-Baureihen aufzulegen, die alle der heutige Größenklasse B (wie VW Polo oder Ford Fiesta) angehören. Minivans, Coupes oder andere Derivate der Hauptmodelle gibt es nicht, auch keine Diesel-Modelle.

2 Mrd. Euro Bedarf nur für eine neue Baureihe


Die Entwicklung einer oder mehrerer neuer Pkw-Plattformen kostet zwischen 1 und 2,5 Mrd. Euro, so Gref. Noch im März war die Rede davon gewesen, dass der Staat und ein staatsnahes Bankenkonsortium – darunter auch die Sberbank – Avtovaz mit umgerechnet 2 Mrd. Euro dazu verhelfen sollen.

Nun soll also die Rettung von Opel, GAZ und Avtovaz unter einem Projektschirm erfolgen – wenn Gref sich mit seiner Idee durchsetzen kann.

Beschlossene Sache ist dies aber noch lange nicht: Wie die Zeitung „Kommersant“ berichtet, wollten oder konnten die anderen Beteiligten Magna, Avtovaz und Renault zu Grefs Äußerungen vorerst keine Stellung beziehen.